Samstag, 23. Juli 2016

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Alternative zu Riester "Deutschland braucht ein Vorsorgekonto"

Sieht Bedarf für ein staatsfondsähnliches Altersvorsorgeprodukt: Hubert Seiter, Chef der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg

Provisionfrei und transparent soll das "Vorsorgekonto" der Rentenversicherung sein. Im Interview stellt Hubert Seiter das DRV-Konzept als Alternative zu Riester erstmals vor. Er sagt, warum er sich nicht als Wettbewerber der Assekuranz sieht - und welche Renditen Versicherte erwarten dürfen.

mm: Herr Seiter, braucht Deutschland eine Alternative zu den Altersvorsorgeprodukten der Banken- und Versicherungswirtschaft?

Seiter: Die Riester-Rente hat nach zehn Jahren weniger als die Hälfte der geschätzt 38 Millionen Förderberechtigten erreicht. Von 15 Millionen Verträgen haben die Verbraucher bereits zwei Millionen wieder gekündigt und ebenso viele beitragsfrei gestellt. Viele Verbraucher empfinden das Zulagensystem als zu kompliziert und die Produkte als zu teuer. Tatsächlich fressen die Kosten vieler Policen einen erheblichen Teil der staatlichen Förderung auf. Wegen der Komplexität des Systems rufen viele Menschen die Förderung nicht ab, machen Fehler, sind irritiert und steigen aus dem System wieder aus. Das kann nicht Ziel der Altersvorsorge in Deutschland sein.

mm: Wie könnte die Alternative aussehen?

Seiter: Wir sind überzeugt, dass das "Vorsorgekonto", wie wir es hier in Baden-Württemberg in seinen Grundzügen entwickelt haben, eine transparente, günstige Alternative zu den herkömmlichen Vorsorgeprodukten bietet.

mm: Wen will die Deutsche Rentenversicherung mit dem "Vorsorgekonto" erreichen?

Seiter: Wir haben jene im Blick, die ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben, die den Produkten der Versicherungswirtschaft vielleicht auch ein Stück weit misstrauen und den Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung mehr zutrauen, als es andere tun, aber dennoch nicht zusätzlich vorsorgen. Um es hier deutlich zu sagen, wir halten das Vertrauen in die gesetzlichen Rentenversicherungsträger für berechtigt. Jedenfalls können die Menschen davon ausgehen, dass sie von der objektiven Beratung bis zum kostengünstig verwalteten Konto von uns alles erhalten werden, wenn sie es wünschen.

mm: Was ist das Ziel des "Vorsorgekontos"?

Seiter: Die Rente mit 67 stellt viele Menschen vor ein Problem. Ihre Abschläge werden wegen eines früheren Renteneintritts steigen. Die Verbraucher könnten das auf dem "Vorsorgekonto" angesparte Geld dazu verwenden, diese Abschläge zurückzukaufen, was bisher nach geltendem Recht grundsätzlich nur en bloc möglich ist. Sie sparen also Vorsorgevermögen an, um ab 63 mit geringeren Abschlägen oder gar abschlagsfrei in den Ruhestand zu gehen. Vorsorgekapital, das der Verbraucher nicht für den Rückkauf dieser Abschläge benötigt, bildet eine zusätzliche Monatsrente. Da wird nichts einbehalten, wir sind eine Non-Profit-Organisation, das "Vorsorgekonto" wäre ohnehin frei von Abschluss- und Provisionskosten.

mm: Wer sollte das "Vorsorgekonto" verwalten?

Seiter: Zunächst denken wir da natürlich an die Rentenversicherungssträger selbst. Wir haben die Logistik und das Knowhow dazu. Wir bunkern das Geld auch nicht einfach im Keller, sondern legen es dann selbstverständlich nach den Vorgaben des Sozialgesetzbuches sicher an. Spekulation ist uns untersagt, in der Anlage sind wir höchst vorsichtig, seriös und konservativ.

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