Dienstag, 27. September 2016

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Private Krankenversicherung Der Kostenkiller der PKV

"Unseriös kalkuliert": Ozan Sözeri ist Chef des Beratungshauses "Widge.de" mit 30 Mitarbeitern. Der Wirtschaftsingenieur und Ex-Versicherungsmakler boxt für Versicherte den Wechsel in günstigere und nicht selten sogar bessere Tarife durch

Auf viele Privatpatienten kommen 2012 drastisch steigende Beiträge zu - vereinzelt bis zu 40 Prozent und mehr. Betroffen sind ältere wie junge Versicherte. Aber kein Kunde muss die Preisexplosion hinnehmen. Wer sich wehrt, kann viel Geld sparen, sagt Berater Ozan Sözeri.

mm: Herr Sözeri, Ihr Unternehmen berät Versicherte privater Krankenkassen, die kräftige Beitragssteigerungen nicht mehr hinnehmen wollen. Wie viel schlagen die Anbieter im kommenden Jahr drauf?

Sözeri: Nach einer Analyse von Morgen & Morgen liegen die Aufschläge im Schnitt bei 4,4 Prozent - 5,1 Prozent bei den Männern, 3,6 Prozent bei den Frauen. Diese Zahlen muss man aber stark relativieren, denn sie erfassen lediglich neu abgeschlossene Tarife. Für Bestandskunden liegen die Beitragsanpassungen in der Regel deutlich höher.

mm: 4,4 Prozent klingt zunächst einmal moderat. Wer ist diesmal besonders betroffen?

Sözeri: Die Kunden der Central Krankenversicherung trifft es im nächsten Jahr besonders hart. Die Kasse hat die Beiträge im Schnitt um 12,9 Prozent erhöht. Vereinzelt schnellen hier die Prämien sogar um mehr als 40 Prozent in die Höhe - das teilweise auch für Tarife, die erst seit zwei oder drei Jahren bestehen und noch nicht einmal ein neues Tarifkollektiv haben. Das heißt, diese Tarife wurden von Beginn an unseriös kalkuliert und fliegen den Versicherten jetzt um die Ohren. Und die trifft definitiv keine Schuld.

mm: Gibt es jenseits einzelner Anbieter bestimmte Gruppen, die mit starken Prämienerhöhungen rechnen müssen?

Sözeri: Besonders betroffen sind immer wieder ältere Menschen, die seit 15 oder 20 Jahren bei einem Anbieter versichert sind. Oft sitzen sie in geschlossenen Tarifen fest, die nicht mehr angeboten werden, wo also keine jungen Kunden nachkommen. Das heißt, der Tarif vergreist und verteuert sich von Jahr zu Jahr, weil keinerlei Ausgleich mehr stattfindet. Diese Kunden sind dann oft wegen ihrer Vorerkrankungen und Altersrückstellungen an den Anbieter gefesselt. Denn ihre Rückstellungen würden sie bei einem Kassenwechsel verlieren, oder sie würden wegen der Vorerkrankungen schlicht abgelehnt. Der Versicherer muss sich also nicht mehr bemühen, die älteren Kunden zu halten. Sie sind ohnehin festgenagelt.

mm: Wie hoch steigen die Tarife für diese älteren Bestandskunden im Schnitt?

Sözeri: Das lässt sich seriöserweise nicht beziffern. Denn die Gesellschaften sind nicht verpflichtet, die Anpassungen auch für die älteren Bestandskunden zu veröffentlichen. Und Sie tun alles, damit solche Zahlen nicht bekannt werden. Der Grund dafür ist klar: Die Zahlen lägen zweifelsohne deutlich höher und das schadet dem Neugeschäft.

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