Donnerstag, 28. Juli 2016

Provisionen "Das wird ein Vermittlersterben geben"

Beratungsgespräch: Der Gesetzgeber will die Provisionen für die Vermittlung von Versicherungspolicen deckeln und die Stornohaftung ausweiten

Darf ein Versicherungsvermittler seine Provision künftig mit dem Kunden teilen? Sollte das Abgabeverbot für Provisionen fallen und das Gesetz diese auch noch deckeln, verlieren tausende Policenvermittler ihren Job, warnt Michael Heinz. Auch der Kunde werde verlieren, so der Präsident der Versicherungskaufleute.

mm: Herr Heinz, das Verwaltungsgericht Frankfurt hat vergangene Woche das Provisionsabgabeverbot gekippt (Az. 9K 105/11.F). Ein Versicherungsvermittler darf damit künftig seine Provision mit dem Kunden teilen. Verbraucherschützer erhoffen sich jetzt mehr Wettbewerb auch beim Preis. Wird der kommen?

Heinz: Das ist doch Unsinn. Ich sehe nicht, was die Provision für die Vermittlung eines Versicherungsprodukts mit seinem Preis zu tun hat. Die Provision beeinflusst den Beitrag nur marginal. Das Urteil wird keinen Bestand haben.

mm: Was macht Sie da so sicher?

Heinz: Wir gehen fest davon aus, dass die Versicherungsaufsicht der Bafin und die Versicherungswirtschaft gegen das Urteil angehen werden und es dann in der nächsten Instanz gekippt wird. Das Urteil ergibt keinen Sinn, praktisch kommt es einem Provisionsabgabegebot gleich. Es macht viel Arbeit der Vergangenheit für mehr Qualität in der Branche kaputt. Der Versicherte selbst wird daraus kaum Vorteile ziehen.

mm: Warum denn nicht?

Heinz: Die Versicherungswirtschaft und ihre Verbände haben sich in den vergangenen Jahren stark darauf konzentriert, die Qualität des Beratungs- und Verkaufsprozesses zu verbessern. Beispielhaft nenne ich hier nur die Stichworte Vermittlergesetz, Informationspflichten, Gesprächsprotokolle. Jetzt leisten Gerichte und Politik einer "Geiz-ist-geil-Mentalität" massiv Vorschub. Die Beratung wird darunter leiden und damit auch der Verbraucher.

mm: Jetzt malen Sie sich die Realität etwas schön. Noch immer kaufen viele Kunden überteuerte und falsche Policen, weil sie schlecht beraten werden.

Heinz: Beratungsqualität lässt sich ständig verbessern, wir arbeiten daran. So wird der BVK in wenigen Wochen mit dem Gesamtverband Versicherungswirtschaft eine Qualitäts- und Bildungsoffensive vorstellen. Aber nennen wir das Kind doch mal beim Namen. Die Vertriebsgesellschaft AVL hat doch vor allem deshalb gegen das Provisionsabgabeverbot geklagt, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Denn ihr Geld bekommt sie über Sonderprovisionen und Kickbacks ohnehin, eben nur auf Umwegen. Für mich ist das nichts Anderes als egoistische Netzbeschmutzerei.

mm: Beginnt jetzt das große Feilschen um Provisionsanteile?

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