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06.10.2011
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Gewinnverteilung
Lebensversicherer bevorzugen Aktionäre

Von Lutz Reiche

Kampf um den Kuchen: Viele Lebensversicherer verwöhnen ihre Anteilseigner mit einem steigenden Anteil am Gewinn - zum Nachteil der Kunden
Corbis

Kampf um den Kuchen: Viele Lebensversicherer verwöhnen ihre Anteilseigner mit einem steigenden Anteil am Gewinn - zum Nachteil der Kunden

Gute Lebensversicherer verdienen viel Geld und geben es ihren Kunden zurück. So weit die Theorie. Tatsächlich machen die Anbieter aus Zusammensetzung und Verteilung ihrer Gewinne ein Geheimnis. Viele bevorzugen die Eigner immer stärker - zum Nachteil der Kunden, sagt Experte Hermann Weinmann im Interview mit manager magazin Online.

mm: Herr Professor Weinmann, als Lebensversicherter fragt man sich immer wieder, wie mein Anbieter eigentlich Gewinne erwirtschaftet und wie er mich daran beteiligt. Welche Gewinnquellen hat ein Lebensversicherer?

Weinmann: Ein Lebensversicherer muss seinem Kunden unter Umständen jahrzehntelang eine Rente zahlen. Damit er dies auch in schlechten Kapitalmarktzeiten kann, kalkuliert er die Prämien äußerst vorsichtig. Deshalb sagt er seinem Kunden zunächst eine relativ niedrige, garantierte Leistung zu. Tatsächlich stellen sich aufgrund der vorsichtigen Kalkulation Überschüsse ein, etwa Überschüsse bei den Kapitalanlagen. Diese ergeben sich aus der Differenz der erzielten Rendite des angelegten Geldes und der garantierten Verzinsung des Sparanteils des Kundenbeitrags. Stärkste Gewinnquelle eines Lebensversicherers sind in der Regel auch seine Kapitalanlagen.

mm: Welche Gewinnquellen hat ein Lebensversicherer noch?

Weinmann: Ein Lebensversicherer erzielt zudem Risikoüberschüsse und Kostenüberschüsse. Erstere entstehen in der Rentenversicherung, wenn die Menschen früher sterben als kalkuliert und in der Risikolebensversicherung, wenn weniger Menschen sterben als kalkuliert. Das Risikoergebnis ist für die Branche sehr wichtig geworden. Im Krisenjahr 2008 war es etwa siebenmal so groß wie ihr Kapitalanlageergebnis.

mm: Wie verhält es sich mit den Kostenüberschüssen?

Weinmann: Hier stehen Verwaltungskosten und Abschlusskosten im Vordergrund. Sind sie niedriger als kalkuliert, entstehen auch hier Überschüsse. Es gilt aber, dass Verwaltungskostengewinne bei vielen Gesellschaften durch Abschlusskostenverluste aufgezehrt werden. Wir haben also im Wesentlichen drei Gewinn- oder Überschussquellen, die zusammen den sogenannten Rohüberschuss ergeben. In die Entwicklung der einzelnen Rohüberschussquellen geben die Versicherungsunternehmen aber keinen tieferen Einblick.

mm: Wie wird dieser Rohüberschuss nun verteilt?

Weinmann: Ein Teil wird dem Versicherungsnehmer direkt gutgeschrieben, das ist die sogenannte Direktgutschrift. Ein anderer Teil des aus den drei Gewinnquellen erzielten Rohüberschusses wandert zunächst in die Rückstellung für Beitragsrückerstattung, die sogenannte RfB. Dabei sind sowohl Zeitpunkt als auch Höhe der Auszahlung aus der RfB noch unbestimmt. Wenn man so will, fungiert die RfB damit als Puffer für schwierige Kapitalmarktzeiten, um auch in diesen dem Versicherten eine möglichst konstante Überschussbeteiligung zu gewähren. Ein weiterer Teil des Rohüberschusses geht als Jahresüberschuss an das Unternehmen beziehungsweise seine Aktionäre.

mm: Und das machen alle Unternehmen gleich?

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Zur Person

Hermann Weinmann ist Professor für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein









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