Sonntag, 23. September 2018

Rückversicherer "Sie werden von der Katastrophe auch profitieren"

Desasterfolgen: Japans Riesenkampf gegen das Wirtschaftsbeben
REUTERS

Das Japan-Beben reißt Löcher in die Bilanzen der Rückversicherer. Experte Carsten Zielke schließt weitere Gewinnwarnungen in der Branche und auch Kapitalerhöhungen nicht aus. Die Gefahr einer existentiellen Notlage sieht er aber nicht. Denn die Rückversicherer dürften von diesem ungewöhnlichen Katastrophenjahr auch profitieren.

mm: Herr Zielke, knapp zwei Wochen nach dem Japan-Beben haben sich die weltgrößten Rückversicherer einen ersten Überblick verschafft. Die Munich Re hat ihre Gewinnprognose einkassiert. Rechnen Sie damit auch bei Swiss Re und Hannover Rück?

Zielke: Das dürfte stark von ihrem Engagement in der Katastrophenregion abhängen. Genaue Angaben machen die Unternehmen dazu nicht. Ich halte das Ausmaß der Katastrophe allerdings für so groß, dass wohl auch diese beiden Rückversicherer empfindliche Gewinneinbußen werden hinnehmen müssen.

mm: Nun hat auch die Hannover Rück ihr Großschadensbudget im ersten Quartal bereits ausgeschöpft. Haben die Konzerne womöglich zu knapp, zu unvorsichtig kalkuliert?

Zielke: Das denke ich nicht. In den ersten Monaten dieses Jahres haben wir eine Häufung von Naturkatastrophen gesehen, die es in der Vergangenheit so nicht gab. Die Rückversicherer rechnen viel mit Wahrscheinlichkeiten, und auf das Jahr hochgerechnet haben die Unternehmen sicherlich nicht zu aggressiv gerechnet. Diese Konzentration von Großkatastrophen auf wenige Monate wirbelt die Risikomodelle und Wahrscheinlichkeitsrechnungen der Unternehmen aber gehörig durcheinander.

mm: Munich Re spricht von 1,5 Milliarden, Swiss Re von 850 Millionen, die Hannover Rück veranschlagt zunächst 250 Millionen Euro Schadensbelastung in Folge des Japan-Bebens. Welches Unternehmen - gemessen an seiner Leistungskraft - wird die Belastung am besten wegstecken können?

Zielke: Ich würde das an der Fähigkeit festmachen, sich unter Umständen neue Eigenmittel besorgen zu müssen. Und da sehe ich die Munich Re am besten positioniert, weil sie den Kapitalmarkt bisher am wenigsten angezapft hat.

mm: Rechnen Sie denn mit einem erhöhten Kapitalbedarf der Rückversicherer in diesem noch jungen Katastrophenjahr?

Zielke: Bis jetzt sollten wir davon ausgehen, dass die Kapitaldecke der Rückversicherer ausreicht, um die Belastungen aus eigener Kraft stemmen zu können. Allerdings wissen wir nicht, was auf die Unternehmen noch zukommt.

mm: Verfügen die Rückversicherer über ausreichend Eigenkapital, dass sie einen weiteren Großschaden verkraften können, ohne in eine existentielle Schieflage zu geraten?

Zielke: Sollte sich in diesem Jahr eine ähnliche Großkatastrophe wie in Japan ereignen, müssen wir mit Kapitalerhöhungen der Rückversicherer rechnen. Eine Munich Re oder Hannover Rück wird deshalb aber nicht so schnell in existentielle Not geraten. Die Hannover Rück zum Beispiel versichert ein Großteil ihres Risikos bei anderen Rückversicherern, und schließlich reichen alle Rückversicherer einen Teil ihrer Risiken an den Kapitalmarkt etwa in Form von Katastrophenbonds weiter. Letztlich lasten die Risiken auf breiteren Schultern als man denkt.

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