Mittwoch, 19. Dezember 2018

Private Krankenversicherung Bafin will Provisionswahn stoppen

Es fließt viel Geld: Private Krankenkassen zahlen derzeit Provisionen von bis zu 18 Monatsbeiträgen an den Vermittler, dafür dass er einen neuen Kunden anschleppt. Dabei werben die Vermittler oft Kunden von Wettbewerbern ab. Unter dieser Praxis leidet die Beratung genauso wie die Versichertengemeinschaft

Die Finanzaufsicht will gegen zu hohe Provisionen beim Vertrieb privater Krankenversicherungen vorgehen. Ihre Appelle und Warnungen an die Vorstände lassen aufhorchen. Doch tatsächlich scheinen derzeit weder die Bafin noch der PKV-Verband den Provisionswahn stoppen zu können.

Hamburg - Die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin will den Provisionswettlauf beim Vertrieb privater Krankenversicherungen offenbar nicht mehr länger dulden. In einem Rundschreiben an die Vorstände privater Krankenkassen droht die Behörde an, gegen zu hohe Provisionen vorzugehen, die die Anbieter an Vermittler zahlen.

Unangemessen hohe Provisionen seien nicht im Interesse des Kunden. Die Geschäftsführer würden ihrer Verantwortung gegenüber dem Kunden nicht gerecht, wenn sie mit Vermittlern und Maklern zusammenarbeiten, die "offensichtlich aus Profitstreben die Qualität der Beratung vernachlässigen". Die Behörde werde künftig verstärkt prüfen, ob das Risikomanagement der Versicherer die Vertriebspraxis des Unternehmens angemessen berücksichtige. "In Fällen, in denen uns Anzeichen für Fehlentwicklungen bekannt werden, werden wir der Sache durch Sonderprüfungen auf den Grund gehen", heißt es weiter.

Zwischen 1999 und 2009 hätten sich die Abschlussprovisionen im Branchenschnitt von 7,5 Monatsbeiträgen auf rund neun Monatsbeiträge erhöht, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage von manager magazin. Alles was über neun Monatsbeiträge hinausgehe, sei "aufsichtsrechtlich unerwünscht".

Abschlussprovisionen steigen seit Jahren an

Dass von Provisionen abhängige Vermittler den Kunden oft nicht sachgerecht beraten, ist schon vielfach kritisiert worden. Die andere Seite ist, dass sich Unternehmen die hohen Vermittlungskosten früher oder später von den Versicherten zurückholen - zumeist eben über steigende Prämien. "Werte weit über acht Monatsbeiträge gehen auf die Knochen Versichertengemeinschaft", sagt Branchenexperte Manfred Poweleit. Und Rainer Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata moniert: "Ausufernde Provisionssätze sind kritisch zu bewerten, weil sie in dieser Höhe kalkulatorisch nicht berücksichtigt sind."

Die Bafin räumt selbst ein, dass die Provisionszahlungen "seit einiger Zeit in Einzelfällen weit über dem Durchschnitt liegen". Tatsächlich zahlen viele Unternehmen nach Informationen von manager magazin mittlerweile 12 bis 15 Monatsbeiträge an ihre Vertriebtriebspartner. Insider berichten sogar von bis zu 18 Monatsbeiträgen oder umgerechnet bis zu 10.000 Euro, die Versicherer vereinzelt für die Vermittlung eines Privatpatienten auf den Tisch legen.

Der hohe Einsatz hat seinen Grund: Um gesunde Neukunden herrscht ein knallharter Wettbewerb. Denn die Mitgliedschaft in einer PKV ist für Arbeitnehmer von der Einkommenshöhe abhängig und ein Wechsel von der gesetzlichen in eine Privatkasse mit weiteren Hürden verbunden. Neukunden sind für das System der PKV aber überlebenswichtig. Je weniger dem System beitreten, desto größer ist die Gefahr, dass dem Versicherer die Kosten wegen seines alternden Bestands an behandlungsintensiveren Kunden aus dem Ruder laufen. Er müsste die Prämien für Neueinsteiger deutlich anheben, was wiederum die Gefahr erhöht, dass die Kundenzahl weiter schrumpft.

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