Samstag, 23. März 2019

Direktversicherung Versicherungsschutz mit Tücken

Die Direktversicherung zählt zu den beliebtesten Instrumenten der betrieblichen Altersvorsorge. Die Versicherten stehen bei einem Jobwechsel vor einem Dilemma: Vor allem für gesetzlich Versicherte lohnt es oft nicht, den Vertrag privat fortzuführen. Doch wer aussteigt, verliert wichtigen Schutz im Falle der Berufsunfähigkeit.

Direkt, einfach, unkompliziert - sogenannte Direktversicherungen erfreuen sich in der betrieblichen Altersvorsorge großer Beliebtheit. Dabei schließen Arbeitgeber diese Verträge für ihre Mitarbeiter ab. Meistens schießt der Chef Geld zu, wodurch die Attraktivität steigt. Zudem bleiben die Beiträge der Arbeitnehmer bis zu einer bestimmten Grenze steuer- und sozialversicherungsfrei.

Die Direktversicherung umfasst eine Lebens- oder Rentenversicherung, ist oft aber auch an eine Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherung gekoppelt. "Die Gesundheitsprüfung für die Berufsunfähigkeits-Versicherung ist in diesem Fall meist vereinfacht oder entfällt sogar ganz", sagt Jens Trittmacher, Leiter der Beratungsabteilung beim Bund der Versicherten. Wer sich dagegen privat absichern möchte, muss strenge Hürden überwinden.

Viele Arbeitnehmer haben keine weitere private Berufsunfähigkeits-Versicherung, weil sie ja bereits diesen Schutz über die Direktversicherung genießen. Die Rechnung geht aber nur für die auf, die lebenslang für einen Arbeitgeber tätig sind.

Massive Probleme tauchen beim Jobwechsel auf: "Beim neuen Arbeitgeber hat der Arbeitnehmer zwar wieder Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge. Aber es kann eine ganz andere sein als beim vorherigen Job", sagt Versicherungsberater Stefan Albers aus Montabaur. Der neue Chef kann zwar auch eine Direktversicherung offerieren, aber möglicherweise die eines anderen Anbieters ohne Berufsunfähigkeitsversicherung.

Wer also den Schutz vor der Berufsunfähigkeit aus einer Direktversicherung beibehalten will, muss beim Jobwechsel den Vertrag privat fortführen. Das gilt auch für Leute, die ihren Job verlieren oder sich selbstständig machen. Allerdings legt der Staat den Betroffenen jede Menge Steine in den Weg. Denn Direktversicherungen werden immer so behandelt, als ob sie nur auf steuer- und sozialabgabenfreien Beiträgen fußen - auch wenn dies - wie bei privat fortgeführten Verträgen gar nicht der Fall.

Die Konsequenz: In der Auszahlphase wird der volle Krankenversicherungsbeitrag auf die Renten erhoben. Diese Regelung hat die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2004 eingeführt.

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