Von Lutz Reiche
Hamburg - Die etwa 4,5 Millionen Selbstständigen in Deutschland sollen stärker vorsorgen, das ist politischer Konsens in Deutschland. Denn nur jeder Vierte von ihnen ist über ein berufsständisches Versorgungswerk oder die gesetzliche Rentenversicherung verpflichtend abgesichert. Dem Löwenanteil der Selbständigen bleibt es bislang dagegen freigestellt, ob und wie sie vorsorgen.
Die Verlockung, gar nichts zu tun, ist hoch und damit die Gefahr, im Alter zu verarmen. Etwa einem Zehntel der Selbstständigen droht Altersarmut, stellte unlängst das Munich Center for the Economics of Aging fest.
Insbesondere Kleinstunternehmer und Einzelkämpfer ohne Angestellte seien davon betroffen. Ihr Anteil wird auf rund zwei Millionen geschätzt. Zahlen der Arbeitsagentur indes scheinen das drängende Problem zu bestätigen: Im vergangenen Jahr waren im Schnitt rund 125.000 Unternehmer auf Hartz IV angewiesen.
Die Politik sieht Handlungsbedarf, der Weg aber ist umstritten. Während Arbeitsministerin von der Leyen (CDU) die Selbstständigen in der gesetzlichen Rentenversicherung am besten aufgehoben sieht, votieren CSU und FDP für die Wahlfreiheit zwischen staatlicher Rentenkasse und den verschiedenen Optionen der privaten Vorsorge, womit sich zumindest die Arbeitgeberverbände in Deutschland anfreunden könnten.
Der DIHK sieht überhaupt keine Notwendigkeit für eine Zwangslösung und fordert, die staatliche Förderung der Riester-Rente auch Selbstständigen zukommen zu lassen. Das lehnt die Bundesregierung bislang ab und verweist auf die Steuervorteile der "Rürup-Rente" (Basis-Rente), die Selbstständige seit 2005 in Anspruch nehmen können.
Im schlimmsten Fall wird die Rürup-Rente zum Verlustgeschäft
Noch ist unklar, wie Politik und Gesetzgeber entscheiden werden, eine Vorsorgepflicht für Selbstständige, die bislang gar nicht abgesichert sind, dürfte aber sehr wahrscheinlich werden. Umso wichtiger wird es für Selbstständige, sich mit den Optionen der privaten Altersvorsorge auseinanderzusetzen.
Die Zeitschrift "Finanztest" hatte bereits in ihrer Dezember-Ausgabe die vergleichsweise unflexible "Rürup-Rente" unter die Lupe genommen. Von fondsgebundenen Varianten - vor allem jenen ohne garantierte Rentenzusagen - raten die Experten tendenziell ab. Denn der Sparer weiß bis Rentenbeginn nicht, wie hoch seine Rente ausfallen wird.
Auf die Fondsvariante sollten Verbraucher daher auch nur dann zurückgreifen, wenn sie ihre Grundversorgung im Alter anderweitig abgedeckt haben. Im schlimmsten Fall - ohne Beitragsgarantie - wird die Sache sogar zu einem Verlustgeschäft, weshalb die Finanztest-Autoren für die fondsgebundenen Rürup-Varianten auch erst gar keine Noten vergeben haben.
Doch auch die klassischen Rürup-Rentenversicherungen mit garantierter Mindestrente halten die Tester nur bedingt für empfehlenswert. Jeweils lediglich fünf Angebote für Männer und Frauen von insgesamt 62 getesteten Tarifen bewerteten die Experten mit "gut". In das Gesamturteil gingen die Höhe der garantierten Rente und der Anlageerfolg des Versicherers (der vergangenen drei Jahre) jeweils zu 40 Prozent ein. Die Flexibilität der Police (z.B. Beitragsfreistellung, flexibler Rentenbeginn) und die Transparenz der Vertragsunterlagen jeweils zu 10 Prozent.
© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH