Von Lutz Reiche, Hannover
Hannnover - Japan, Neuseeland, Thailand: Naturkatastrophen haben im vergangenen Jahr Schäden von bis zu 380 Milliarden Dollar angerichtet. Für gut 100 Milliarden Dollar stehen die Versicherer gerade - auch die Hannover Rück
, die Risiken der Erstversicherer übernimmt. Das zweitteuerste Jahr in der Geschichte der Assekuranz hat für den Konzern aber auch eine gute Seite. Die Hannover Rück hat mehr Verträge geschlossen und in der jüngsten Erneuerungsrunde zum Teil deutlich höhere Preise gegenüber ihren Kunden durchsetzen können.
Folglich zufrieden zeigte sich der Vorstandschef des weltweit drittgrößten Rückversicherers. "Wir haben im Durchschnitt bessere Konditionen und Raten erzielen können als im vergangen Jahr", sagte Ulrich Wallin in Hannover vor Journalisten. Im Zuge der Erneuerungsrunde waren gut zwei Drittel der Verträge neu verhandelt worden. Aus den neuen oder veränderten Kontrakten ergibt sich auch dank höherer Preise ein Prämienplus von 6 Prozent auf nun 3,693 Milliarde Euro.
In Segmenten, die von Naturkatastrophen betroffen waren, seien die Prämienerhöhungen besonders kräftig ausgefallen, sagte Wallin. Experten von J.P Morgan hatten im Vorfeld der Erneuerungsrunde im Schnitt einen Preisanstieg von 3 Prozent prognostiziert, für die von Naturkatastrophen betroffenen Regionen Aufschläge von 12 Prozent im Schnitt. Diese Durchschnittswerte wollte die Hannover Rück für sich so nicht bestätigen.
Katastrophengeschäft: Preisanstieg von bis zu 60 Prozent
Die größten Preisanstiege konnte der Konzern im Sachkatastrophengeschäft durchsetzen. In Australien etwa kletterten die Preise bei jetzt neu abgeschlossenen Verträgen um durchschnittlich 60 Prozent. In den USA akzeptierten die Erstversicherer Preissteigerungen "im unteren zweistelligen Bereich". Optimistisch zeigte sich Wallin daher für das laufende Jahr und erwartet für die im April beginnenden Verhandlungen in Japan und Neuseeland ebenfalls "substantielle" Ratensteigerungen. "Wir werden weiter profitabel wachsen", versicherte Wallin für das Jahr 2012.
Steigende Prämien und höhere Preise sind für die gebeutelten Rückversicherer derzeit besonders wichtig, um das Ergebnis zu entlasten. Denn viel Geld lässt sich mit festverzinslichen Papieren am Kapitalmarkt nicht mehr verdienen. Sie machen 88 Prozent der rund 27 Milliarden Euro Kapitalanlagen der Hannover Rück aus. Die Rendite über Anlagen belief sich nach neun Monaten auf 3,6 Prozent.
Zum abgelaufenen Geschäftsjahr äußerte sich Vorstandschef Wallin nicht konkret, erklärte aber: "Wir haben keinerlei Anlass eine Gewinnwarnung abzugeben." Nach früheren Aussagen erwartet die Hannover Rück ein Nachsteuerergebnis von 500 Millionen Euro. 40 Prozent davon könnten als Dividende ausgeschüttet werden. Der Konzern wird seinen Jahresbericht im März veröffentlichen.
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