Berlin - "Die Kurse sind schon jetzt wieder klar überbewertet", sagte Walter im Gespräch mit der "Berliner Zeitung" (Freitagausgabe). Die Börse übertreibe völlig. Die 3000 Punkte, die der Aktienindex Dax bereits im Frühjahr wieder erreicht hatte, seien ökonomisch noch vertretbar gewesen, sagte Walter. "Aber 3600 Punkte sprengen schon wieder den Rahmen."
Die Kursentwicklung habe nichts mit der wirtschaftlichen Situation der Unternehmen zu tun. Diese hätte sich kaum verbessert, erklärte Walter weiter. "Doch viele Investoren suchen angesichts der niedrigen Zinsen verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten. Und da es keine interessanten Alternativen gibt, investieren sie eben in Aktien."
Nur wer einen Zeithorizont von einer halben Generation oder mehr habe, könne heute relativ sorglos Aktien oder Aktienfonds kaufen. Anleger, die bald 60 Jahre alt würden oder ihr Geld nicht so lange festlegen wollen, sollten lieber in Festverzinsliche investieren und "nicht auf den schon zu weit aus dem Bahnhof gefahrenen Börsenzug aufspringen".
Für das kommende Jahr prognostiziert Walter ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent. Dabei falle aber vor allem ins Gewicht, dass 2004 vier Arbeitstage mehr habe als 2003. Von einem echten Aufschwung könne noch nicht die Rede sein.
Negativ für den Aktienmarkt könne sich zudem auswirken, dass die Zinsen zu früh und zu schnell wieder steigen würden. Das kann sich nach Ansicht von Walter "negativ auf die Aktienmärkte auswirken".
Elgeti sieht noch etwas Potenzial
Etwas positiver schätzt die Commerzbank die aktuelle Lage auf dem europäischen Aktienmarkt ein. Marktstratege Rolf Elgeti hält europäische Titel auf dem derzeitigen Niveau für fair bewertet und schließt weitere Aufschläge nicht aus. Der Markt orientiere sich nach wie vor an der konjunkturellen Entwicklung, deshalb könnten die neuen Daten der kommenden Woche den Aktien weitere Unterstützung bieten.
Die amerikanischen Daten zur Industrieproduktion sollten erfreulich ausfallen. Die amerikanische Notenbank werde wahrscheinlich - wie von den meisten Volkswirten erwartet - die Zinsen unverändert lassen und den Aktienmärkten also keine unliebsame Überraschung bescheren, mutmaßt Elgeti.
Mit diesem Rückenwind könnten die Aktien in "teure" Höhen steigen. Dann sei eine sorgfältige Branchenauswahl besonders wichtig. Bei der jüngsten Rallye seien Technologiewerte sowie zyklische Titel die Nutznießer und Autowerte hätten nach Ansicht von Elgeti noch weiteres Potenzial.
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