Hamburg - Der Chef des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, Meinhard Miegel, hat gefordert, die beitragsfinanzierte gesetzliche Rentenversicherung "ganz abzuschaffen". In einem Interview der Bild-Zeitung (Freitag) sprach sich der Rentenexperte dafür aus, die gesetzliche Rentenversicherung "durch eine staatlich garantierte, aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanzierte Grundsicherung für alle" zu ersetzen.
Diese Grundsicherung sollte "etwa 15 Prozent über dem Niveau der Sozialhilfe" liegen. Wer im Alter mehr wolle, müsse privat vorsorgen. "Zum Beispiel mit einer Lebensversicherung oder anderen Kapitalanlagen", so Miegel.
Der Generationenvertrag sei "zu den bestehenden Bedingungen nicht mehr erfüllbar", betonte Miegel. Deshalb sei ein radikaler Schnitt bei der Altersversorgung erforderlich.
Bei Beibehaltung des jetzigen Systems gebe es nur zwei Alternativen: Entweder würden die Renten langfristig auf Sozialhilfeniveau sinken, oder die Beiträge müssten in den nächsten 40 Jahren "in astronomische Höhen" angehoben werden, um den heutigen Standard zu halten.
"Dies würde völlig irreale Beitragssätze von 40 Prozent und mehr bedeuten. Diejenigen, die diese Beiträge dann bezahlen müssen - also unsere Enkel -, werden dann zu Recht rebellieren", meinte der Rentenexperte. Miegel wies darauf hin, dass ohne den vom Steuerzahler bezahlten Bundeszuschuss zur Rentenversicherung die Beiträge "schon jetzt bei 28 Prozent" wären.
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