Beobachter erklärten indes, dass die Krise an den Finanzmärkten noch lange nicht ausgestanden sei. Die Ratingagentur Moody's warnte vor dem Zusammenbruch eines großen Hedgefonds wegen der Krise auf dem US-Immobilienmarkt. Der Kollaps und die Liquidierung eines Fonds hinreichender Größe könnte zu Störungen der Finanzmärkte führen, zitierten Nachrichtenagenturen am späten Donnerstag den Vize-Vorsitzenden von Moody's Direktorium, Chris Mahoney.
Große US-Hypothekenbank vor der Pleite
Die Hypothkenkrise in den USA schlägt indes weitere Wellen. Eine der größten privaten Hypothekenbanken hat in der Nacht zu Freitag ihre Geschäfte eingestellt. Ab sofort würden keine neuen Kredite mehr vergeben, teilte die First Magnus Financial Corp. in Phoenix mit. Möglicherweise müsse das Institut ein Konkursverfahren einleiten, sagte Marketing-Chef Gary Baraff. First Magnus wurde in den Strudel der Liquiditätskrise im Immobiliengeschäft gerissen, obwohl sich die Bank aus dem Subprime-Geschäft herausgehalten hatte.
In problematische Fahrwasser ist auch das Institut Fannie Mae geraten, das mit Hypotheken anderer Institute und Bürgschaften handelt. Nach einem Ertragsrückgang um 36 Prozent im vergangenen Jahr seien in diesem Jahr verstärkte Abschreibungen von Krediten zu erwarten, teilte das Institut mit. Fannie Mae finanziert oder bürgt für jeden fünften Immobilienkredit in den USA. Das Institut wurde vom US-Kongress gegründet, um Familien mit geringem Einkommen den Hausbesitz möglich zu machen.
Die Angst um die Konjunktur wächst weltweit
Darüber hinaus räumte US-Finanzminster Henry Paulson am Donnerstag erstmals ein, dass die Finanzkrise das Wachstum der US-Wirtschaft gefährden könne. Wenig Aufmerksamkeit fanden Stimmen an den Märkten, die darauf hinwiesen, dass trotz der Krise an den Finanzmärkten die fundamentalen Wirtschaftsdaten weiterhin intakt seien. "Wir haben eine ausgewachsene Panik und Angst", sagte UBS-Stratege David Bianco. Die Anleger fingen nun an, sich auf einen Dominoeffekt der Kreditkrise und eine Rezession der US-Wirtschaft einzustellen.
Warnende Stimmen auch aus Deutschland: Die Finanzkrise bremse nach Ansicht des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger das Wachstum der Weltwirtschaft. "Wir erleben derzeit das Ende eines langen und ungewöhnlich starken globalen Aufschwungs", sagte Bofinger der Tageszeitung "Die Welt" (Freitag).
Bedrückende Nachrichten mit Blick auf die Konjunktur gab es am Freitag zudem aus Tokio. In Japan ist der Sammelindex der Frühindikatoren im Juni schlechter als ursprünglich gemeldet ausgefallen. Der Indikator habe nicht wie zunächst mitgeteilt 80,0 Punkte, sondern 72,7 Zähler betragen, teilte die japanische Regierung am Freitag in Tokio mit. Zugleich stellte die Bank of Japan (BoJ) dem Geldmarkt aufgrund eines erneuten Anstiegs der kurzfristigen Zinsen wieder zusätzliche Liquidität in Höhe von 1,2 Billionen Yen (etwa 7,96 Milliarden Euro) zur Verfügung.
manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen
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