Tokio/New York - Trotz der späten Aufholjagd an der New Yorker Wall Street hat sich die Talfahrt an den Aktienbörsen am Freitag in Asien fortgesetzt. In Tokio zum Beispiel verbuchte der Leitindex Nikkei
den größten Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA, in deren Folge die Aktienmärkte weltweit einbrachen.
Händler sagten, die größte Sorge sei nun, dass die Konjunktur in Asien wie die der USA von den Folgen der Hypothekenkrise erfasst werde und dadurch das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig beschädigt werde. "Wenn wir greifbare Anzeichen dafür sehen, fürchte ich, werden wir weltweit den Anfang eines Bärenmarktes sehen", sagte Lim Chang Gue, Fondsmanager bei Samsung Investement Trust Management in Südkorea. Von einem Bärenmarkt, also einem anhaltenden Abschwung, wird ab einem Verlust von 20 Prozent gesprochen.
Der MSCI-Index für die Aktienmärkte im asiatisch-pazifischen Raum - ohne Japan - gab 2,75 Prozent nach. In der Wochenbilanz verlor der Index damit mehr als 10 Prozent und fuhr damit den größten Verlust seit Januar 1998 ein. In Tokio verlor der Nikkei
rund 900 Zähler oder 5,42 Prozent auf 15.273 Punkte. Das war der niedrigste Schlussstand seit 7. August 2006 und der größte Tagesverlust seit dem 12. September 2001. Der breiter gefasste Topix-Index schloss 5,55 Prozent schwächer bei 1480 Punkten.
An den Aktienmärkten in Südkorea, Hongkong Taiwan und Singapur gaben die Kurse ebenfalls deutlich nach. In Hongkong stürzte der Hang Seng
zeitweise mit über 1265 Punkten oder 6 Prozent in die Tiefe, konnte sein Minus zum Handelsschluss aber auf 1,4 Prozent reduzieren. Der Shanghai Composite fiel um 2,28 Prozent. In Südkorea büßte der Kospi 3,2 Prozent ein. Auch in Indien gab es deutliche Verkäufe - in Bombay verlor der Sensex knapp 3,5 Prozent.
Starker Yen schickt Exportwerte in den Keller
Neben den Sorgen rund um die Hypothekenkrise wirkte sich Händlern zufolge in Japan vor allem auch der starke Anstieg der Landeswährung Yen aus. Viele Marktteilnehmer hätten ein erhebliches Niveau an Risikopositionen wie Devisenanlagen in hochverzinslichen Währungen (Carry Trades) zurückgeführt, sagte Devisenexperte Minour Shioiri von der japanischen Großbank Mitsubishi UFJ Securities. Diese Tendenz werde weiter anhalten und sich möglicherweise beschleunigen.
Exportwerte wie Canon
, Toyota
oder Sony
gaben in der Folge kräftig nach - allein Toyota
verlor 7,2 Prozent. Finanzwerte erhielten etwas Auftrieb durch die Erholung im späten Handel an den US-Börsen vom Donnerstag.
Die US-Börsen hatten nach einem turbulenten Handel und weiteren schlechten Nachrichten vom Hypothekenmarkt zu einer späten Rally angesetzt und Boden gut gemacht. Händler sagten, Spekulationen über eine Zinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) waren ein Grund für den plötzlichen Stimmungswandel. Zudem gab es Marktgerüchte, wonach der auch von der Krise in Mitleidenschaft gezogene Gläubiger Bear Stearns Finanzhilfen von einer chinesischen Bank erhalten soll.
Vor allem Finanzwerte zogen den Markt kurz vor Handelsschluss nach oben. Allerdings verwiesen Marktbeobachter darauf, dass dies möglicherweise teilweise auf Deckungskäufe von Spekulanten zurückzuführen gewesen sein könnte, die auf einen weiteren Abwärtstrend der Finanzwerte gesetzt hatten.
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