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manager magazin



16.02.2007
 

Dax-Geflüster

Die Magie der Zahlen

Von Arne Gottschalck

Der Dax steht augenscheinlich kurz davor, die 7000-er Marke zu durchbrechen, und viele Anleger freuen sich. Doch warum eigentlich die punktgenaue Freude - sind die zauberischen 7000 Punkte so viel besser als 6999? Oder gar 7001 Zähler?

Hamburg - Die ganze Woche schon prägt eine Zahl das Anlegerdenken - die 7000. Denn schon seit geraumer Zeit prognostizierten Analysten, dass der Dax diese Grenze durchbrechen werde. Und anscheinend knüpfen viele Anleger daran große Erwartungen. Auch als der Dax durch die 6500 Punkte marschierte, war der Jubel groß. Und alle sprechen nun vom "Erreichen einer psychologisch wichtigen Grenze".

  Bezaubert:  Von der 7000-er Marke sind viele Anleger verhext. Zauberer Gandalf aus dem Film "Herr der Ringe" hat seine Hände allerdings nicht im Spiel.
Warner Bros.

Bezaubert: Von der 7000-er Marke sind viele Anleger verhext. Zauberer Gandalf aus dem Film "Herr der Ringe" hat seine Hände allerdings nicht im Spiel.

Weil sie tatsächlich so bedeutsam ist - oder weil sie so schön glatt und bedeutungsschwer klingt? So ganz einfach lässt sich das nicht sagen. "Die Zahl ist völlig irrelevant", enttäuscht Gianni Hirschmüller die Anleger. "Schauen Sie nur mal in die Vergangenheit", so der Inhaber des Börsenforschungsinstituts Cognitrend. "Wann in den vergangenen 50 Jahren hat so eine glatte Zahl je den Höchst- oder Niedrigstkurs eines Wertpapiers oder Indizes ausgemacht? Kaum." Und dennoch, so ganz ohne Signalwirkung ist so eine runde Zahl dann wohl doch nicht. "Das ist eine schöne Zahl für die Medien, die auch die Privatanleger beeindrucken könnte. Und es könnte sein, dass einige institutionelle Anleger unter Druck geraten, weil sie schon früher ausgestiegen sind und sich jetzt fragen lassen müssen, warum sie nicht dabei sind." Das könnte die Kurse positiv stimulieren.

"Runde Zahlen sind immer eine große Sache. Denken Sie nur an das Medienecho, das um den MDax und die 10.000 Punkte gemacht wurde", sagt Manfred Hübner, einer der Geschäftsführer bei Sentix und Fondsmanager bei der Deka Investment. "Da achten die Anleger selbstverständlich auch drauf." Psychologisch ist das tatsächlich bereits geklärt - der sogenannte Ankereffekt sorgt dafür, dass Anleger sich an solche Zahlen gut erinnern und mit den aktuellen vergleichen.

"Je mehr Nullen, umso größer die Beachtung"

Diese Erkenntnisse haben ihren Weg sogar in deutsche Gerichtssäle gefunden. Sozialpsychologen haben herausgefunden, dass es ein Nachteil für den Angeklagten ist, erst den Staatsanwalt auf ein bestimmtes Strafmaß plädieren zu lassen und dann den Verteidiger. Zu spät, so ihr Urteil, erhebt der Advokat die Stimme - die Forderung des Staatsanwalts hat sich dann schon bei den Richtern eingenistet.

  Tendenz steigend:  Der Dax
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Tendenz steigend: Der Dax

Dieser Aufmerksamkeitsanker wird auch bei 7000 Punkten am Dax fallen. Für kurze Zeit, da ist sich Hirschmüller sicher, wird der deutsche Paradeindex dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Da kann auch Manfred Hübner nur beifällig nicken. "Solche Zahlen bekommen immer viel Öffentlichkeit. Die Medien greifen das auf, fahren das Ganze etwas größer, die Retailanleger lesen das und fangen an, nachzudenken."

Und in der Vergangenheit hatte das Passieren so einer Grenze tatsächlich Auswirkungen. Oftmals kommt es nämlich zu einem Beschleunigungseffekt. Aber auch immer wieder zu einem Verharren auf der Stelle. "Der Dow Jones hat sehr lange gebraucht, zu steigen, nachdem er die 1000-er-Grenze durchbrochen hatte. Es gilt: Je mehr Nullen so eine Zahl hat, umso mehr Beachtung findet sie."

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