Mittwoch, 12. Dezember 2018

Wohnungsmarkt-Ausblick Wohnungsnot bleibt - trotz Milliardengeldern von Investoren

Wohnungsneubau in Berlin: Zu wenige Fertigstellungen verschärfen die Wohnungsnot zusehends.

Auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt wird sich die Zweiteilung, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wohl auch im kommenden Jahr weiter verschärfen: Auf der einen Seite reißen sich Investoren um Objekte und stecken Monat für Monat Milliardenbeträge in hiesige Wohngebäude und Eigentumswohnungen. Und auf der anderen wird die Suche nach bezahlbarem Wohnraum vor allem in den Großstädten und Metropolregionen für viele Durchschnittsverdiener sowie Menschen mit geringerem Einkommen zusehends schwieriger.

Bereits seit einigen Jahren erfreuen sich deutsche Wohnimmobilien als Geldanlage bei Investoren aus dem In- und Ausland großer Beliebtheit. Allein bis zum Ende des dritten Quartals flossen 2018 einer Analyse von BNP Paribas Real Estate zufolge beinahe 12,3 Milliarden Euro in größere deutsche Wohnungsbestände. Das war eine Steigerung von mehr als einem Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so BNP. Unzählige Verkäufe kleinerer Einheiten kommen zudem noch obendrauf.

Verschiedene Vertreter der Immobilienbranche äußerten bei einer telefonischen Presserunde am Mittwoch die Erwartung, dass sich an dieser Entwicklung auch im kommenden Jahr nicht viel ändern wird: Deutsche Wohnimmobilien bleiben bei Investoren beliebt, so der Tenor. Die Milliarden strömen also weiterhin in den Markt, was zugleich auch weiter steigende Preise zur Folge haben dürfte.

Hauptgrund für die Nachfrage der Käufer ist den Marktteilnehmern zufolge das niedrige Zinsniveau, das einerseits eine günstige Finanzierung ermöglicht und andererseits alternative Anlagemöglichkeiten mitunter weniger attraktiv erscheinen lässt. Dabei geht die Immobilienbranche offenbar davon aus, dass sich an dieser Zinskonstellation auch im kommenden Jahr kaum etwas ändern wird: Die Europäische Zentralbank werde vor dem Ende 2019 nicht an der Zinsschraube drehen, so die einhellige Erwartung. Daher bleibe das Umfeld weitgehend wie gehabt.

Vor dem Hintergrund wirken offenbar auch seit Jahren steigende Immobilienpreise kaum abschreckend. "Die Nachfrage von Seiten der Investoren bleibt ungebrochen", sagte beispielsweise Andre Schmöller, Geschäftsführer beim Immobilien-Investmentunternehmen Domicil Real Estate Group in München. Die Käufer seien vor allem an der sicheren Geldanlage interessiert, so seine Beobachtung. Steigende Preise und damit sinkende Renditen wirken daher auf viele kaum abschreckend, so Schmöller.

Die Krux ist jedoch: Obwohl seit Jahren so viel Geld in den hiesigen Wohnimmobilienmarkt fließt, nimmt die viel zitierte Wohnungsnot immer weiter zu. Vor allem in Großstädten und Ballungszentren steigen die Einwohnerzahlen, und es entstehen zu wenige Neubauten, um allen eine erschwingliche Bleibe zu bieten. Zudem geht es nicht nur mit den Immobilienpreisen, sondern in der Folge auch mit den Mieten nach oben. Auch dies trägt zu den Problemen am Wohnungsmarkt bei.

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