Mittwoch, 18. Oktober 2017

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Immer weniger Amerikaner kaufen Immobilien Wie sich die USA zum Land der Wohnungsmieter wandeln

Blick auf Detroit: In der Autostadt gibt es inzwischen mehr Wohnungsmieter als -Eigentümer - wie in vielen anderen US-Metropolen auch.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Werden die USA, das Mutterland des Kapitalismus, in dem die persönliche Freiheit und damit auch der Stolz auf das persönliche Eigentum einen so hohen Stellenwert haben, zu einem Land der Wohnungsmieter? Aktuelle Zahlen, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlicht wurden, deuten erneut darauf hin. Demnach gibt es einen klaren Trend: Immer mehr US-Bürger leben nicht in den eigenen vier Wänden, sondern in gemieteten.

Laut Bloomberg hat diese Entwicklung gerade einen neuralgischen Punkt passiert: Erstmals gibt es in den 100 größten Städten der Vereinigten Staaten mehr Immobilienmieter als Eigentümer, die ihre Objekte selbst bewohnen. In genau 52 der 100 größten US-Metropolen gebe es inzwischen eine Mietermehrheit, so die Nachrichtenagentur mit Verweis auf Daten der Statistikbehörde US Census Bureau. Bei 21 davon habe sich die Mehrheit erst seit 2009 von der einen auf die andere Seite verschoben, darunter auch so begehrte Städte wie Denver oder San Diego sowie eigentlich eher unattraktive Immobilienmärkte wie Detroit oder Baltimore.

Über die landesweite Wohneigentumsquote macht Bloomberg aktuell keine Angaben. Im vergangenen Jahr hatte die US-Statistikbehörde aber bereits gemeldet, dass diese Quote auf den niedrigsten Stand seit mehr als 50 Jahren gefallen sei. Demnach wurden Mitte 2016 dem Amt zufolge 74 Millionen von 118 Millionen Wohneinheiten in den USA von den Eigentümern bewohnt. Daraus ergibt sich eine Wohneigentumsquote für die gesamten USA von 62,9 Prozent.

Zum Vergleich: Unter den führenden Wirtschaftsnationen Europas lägen die USA zwar auch mit den knapp 63 Prozent noch gut im Rennen. Auf dem alten Kontinent lag zuletzt Norwegen mit mehr als 80 Prozent eigen bewohnter Immobilien weit vorne. In Frankreich betrug die Wohneigentumsquote Zahlen von Statista zufolge im Jahr 2015 64,1 Prozent, und in Großbritannien waren es 63,5 Prozent. Deutschland verfügt historisch bedingt seit Langem über eine relativ niedrige Wohneigentumsquote. Laut Statista lag sie zuletzt bei knapp 52 Prozent.

Viele Amerikaner können sich Eigentum nicht mehr leisten

Rund zehn Jahre zuvor, kurz vor dem Platzen der Immobilienblase, hatte die Wohneigentumsquote in den USA jedoch noch bei 70 Prozent gelegen. Weshalb also der Trend zur Mietwohnung, der dem Bericht von Bloomberg zufolge auch künftig anhalten soll?

Ein Grund liegt zweifellos in der Entwicklung auf dem US-Immobilienmarkt: Das Platzen der Subprime-Blase 2007/2008 hat viele Amerikaner in finanzielle Not gebracht. Auf der anderen Seite haben sich die Häusermärkte in zahlreichen US-Städten seither wieder stark aufwärts bewegt.

Die Folge: Einem geringen, hochpreisigen Angebot an Wohnimmobilien steht vielerorts eine Nachfrage gegenüber, der es schlicht an den finanziellen Möglichkeiten zum Erwerb von Eigentum fehlt.

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