Mittwoch, 14. November 2018

Wissenschaftler enthüllen Wie steigende Mieten genau die Falschen treffen

Deutschland-Ranking: Die fünf Städte mit den höchsten Mieten
DPA

Es klingt nach einer banalen Erkenntnis, doch so wissenschaftlich exakt wurde sie bislang wohl noch nicht nachgewiesen: Die seit Jahren steigenden Mieten in Deutschland verschärfen die Probleme, die durch eine ohnehin zunehmende Ungleichverteilung der Einkommen hierzulande entstehen, zusätzlich. Das ist das Ergebnis der nach Angaben der Autoren - Wissenschaftler von Hochschulen in London und Berlin - bislang umfassendsten Studie zu diesem Thema, die am Montag veröffentlicht wurde.

Die Publikation der Untersuchung fällt damit just auf jenen Tag, an dem auch der Immobilienverband IVD seine neuesten Erkenntnisse zur Entwicklung der Wohnungsmieten in Deutschland vorstellt. Und siehe da: Die Mieten sind erneut weiter gestiegen, und zwar wiederum ausgerechnet dort mit besonders hohem Tempo, wo es Menschen niedrigerer Einkommensschichten besonders hart trifft.

Vor allem zwei Erkenntnisse der Studie von Wissenschaftlern des University College in London sowie der Humboldt-Universität in Berlin machen deutlich, wie dramatisch steigende Wohnkosten über einen langen Betrachtungszeitraum zur Ungleichheit beitragen. So stieg der Anteil der Wohnausgaben am Haushaltseinkommen bei jenen 20 Prozent der Bevölkerung, die über die geringsten Einkommen verfügen (sogenanntes unterstes Einkommensquintil) von 27 Prozent im Jahr 1993 auf 39 Prozent im Jahr 2013. Gleichzeitig fiel dieser Anteil jedoch für das oberste Einkommensquintil - die obersten 20 Prozent in Deutschland also - von 16 Prozent auf 14 Prozent.

Zudem haben die Wissenschaftler insbesondere untersucht, wie stark die Ungleichheit der Einkommensverteilung im Bereich generell geringerer Einkommen zunimmt, und zwar sowohl vor als auch nach Abzug der Wohnkosten. Ergebnis: In diesem unteren Einkommensbereich stieg die Ungleichverteilung nach Abzug der Wohnkosten zwischen 1993 und 2013 fast dreimal so stark an wie vor Abzug der Wohnkosten. (die komplette Studie mit allen Zahlen und Berechnungen befindet sich hier).


Schauen Sie sich das Ranking an: In diesen Städten sind die Mieten am höchsten


Als Gründe für die Verschärfung der finanziellen Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung durch die Veränderung von Wohnkosten nennen die Wissenschaftler vor allem die steigenden Ausgaben von Mietern, die relativ betrachtet in größerem Ausmaß in den unteren Einkommensschichten vorzufinden sind, gegenüber den Eigentümern selbstgenutzten Wohnraums. Letztere könnten etwa vom Rückgang der Hypothekenzinsen in den vergangenen Jahren profitieren, schreiben die Autoren der Studie in einer Mitteilung.

Dazu passend stellte am Montag der Immobilienverband IVD seinen "Wohn-Preisspiegel 2018/2019" vor, eine Analyse der Entwicklung von Neuvertragsmieten in mehr als 380 deutschen Städten, die im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres vorgenommen wurde.

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