Samstag, 28. Mai 2016

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Wohnungsmarkt Wertvolle Tipps für Eigentümer bei der Mietersuche

Kampf um die Courtage: Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Immobilienmakler künftig von Vermietern bezahlt werden, statt wie bisher meist von Mietern

Spätestens seit dem Gesetzentwurf aus dieser Woche ist es offiziell: Laut großer Koalition sollen Wohnungsvermieter die Courtage für Makler künftig selber bezahlen. Um das Geld zu sparen, dürften viele Eigentümer lieber auf eigene Faust nach Mietern suchen. Doch das hat seine Tücken.

Hamburg - "Einen Makler? Den brauche ich nicht." Landwirt Hans-Wilhelm M.* hat den benachbarten Resthof neben seinem Anwesen im Landkreis Harburg von den Toren Hamburgs vor Jahren aufgekauft und in fünf kleine Wohnungen aufgeteilt. Seither hat er alle Mieter selbst gefunden. "So ein Makler verlangt doch nur viel Geld, um den Haustürschlüssel umzudrehen", sagt der Inhaber eines Schweinemastbetriebs.

Die gesetzlich zulässige Courtage von zwei Monatskaltmieten schrecke nur Interessenten ab. "Ohne Makler lassen sich Wohnungen viel schneller vermieten", ist der 63jährige überzeugt.

So wie der Landwirt dürften bald noch viel mehr private Vermieter agieren. Denn die große Koalition in Berlin will das Maklerrecht reformieren, spätestens seit dem Gesetzentwurf, den Justizminister Heiko Maas in dieser Woche vorgelegt hat, ist das offiziell. Künftig soll das Bestellerprinzip greifen. Es sieht vor, dass derjenige die Maklercourtage zahlen muss, der den Vermittler beauftragt. Und das ist immer der Vermieter. "Ein Makler kann nur aktiv werden, wenn er vom Eigentümer mit der Suche nach einem Mieter beauftragt wurde", erläutert Jürgen Michael Schick, Vizepräsident der Maklervereinigung IVD.

Bislang bestimmen Angebot und Nachfrage am jeweiligen Wohnungsmarkt, wer die Courtage trägt. In Regionen mit schrumpfenden Einwohnerzahlen und hohen Wohnungsleerständen kommen die Vermieter für die Kosten des Vermittlers auf, wenn sie denn einen zu Hilfe nehmen. "Wohnungssuchende finden in diesen Gegenden so viele Angebote, dass es für sie keinen Grund gibt, die Courtage zu zahlen", erläutert Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum.

Vorsicht vor Mietnomaden

Anders ist die Lage bislang in großen Städten mit knappem Wohnungsangebot. "Hier können die Vermieter die Vermittlungsgebühr auf die Mieter abwälzen, weil die Zahl der Wohnungssuchenden größer ist als das Angebot", sagt Vornholz.

Damit wird es nach der Gesetzesänderung vorbei sein. Dann werden auch hier die Vermieter die Courtage zahlen - oder selbst auf die Suche nach einem Mieter gehen müssen. Michael Voigtländer, Immobilienökonom beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, vermutet, das letzteres geschehen wird. "Etliche private Eigentümer werden sich die Kosten für einen Makler sparen wollen und versuchen, ihre Wohnungen selbst zu vermieten." Dieser Ansicht ist auch Inka-Marie Storm, Referentin für Miet- und Immobilienrecht beim Eigentümerverband Haus & Grund: "Viele private Vermieter werden künftig lieber selbst vermieten." Doch das ist nicht ohne Risiko.

Die schlimmste Gefahr, die einem privaten Vermieter drohen kann: Er holt sich Mietnomaden ins Haus - Betrüger, die bereits mit der Absicht einziehen, nie die Miete zu zahlen. Sie setzen darauf, dass es viele Monate, wenn nicht Jahre dauern kann, bis der Eigentümer eine Räumungsklage gegen sie erwirkt. Vor dem Auszug zerstören sie häufig noch die Kücheneinrichtung, Duschen, Waschbecken und Toiletten. "Die Schäden, die Mietnomaden anrichten, können zehntausende Euro betragen und private Vermieter in die Insolvenz treiben", weiß Gerold Happ, Jurist und Geschäftsführer bei Haus & Grund.

Experten streiten seit Jahren darüber, wie hoch die Zahl der Mietnomaden in Deutschland tatsächlich ist. Eine Studie der Fakultät der Rechtswissenschaften der Universität Bielefeld kam 2010 zu dem Ergebnis, dass von 1350 von Vermietern gemeldeten Mietschadensfällen tatsächlich nur 426 - gut ein Drittel - von vorsätzlich agierenden Mietnomaden verursacht wurden. Allerdings schreiben die Forscher auch: "Aus dieser Zahl lassen sich keine Schlüsse auf das tatsächliche Aufkommen von Mietnomaden in Deutschland ziehen."

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