Donnerstag, 18. Oktober 2018

In Deutschland schon "eher spät am Tag" Großinvestoren sehen Ende von Europas Immobilienboom

Wohnungsneubauten in Frankfurt: Wohnimmobilien sind für Investoren nach wie vor interessant

Seit Jahren kennt der Immobilienmarkt in den meisten europäischen Ländern nur eine Richtung: Aufwärts. Doch nach Einschätzung milliardenschwerer Vermögensverwalter nähert sich der Boom europaweit allmählich seinem Ende.

Viele Investoren auf dem internationalen Immobilienmarkt nehmen inzwischen lieber niedrigere Renditen als höhere Risiken in Kauf, wie die Manager von vier großen Gesellschaften zum Auftakt der Immobilienmesse Expo Real in München sagten. Die Expo Real ist Europas größte Immobilienmesse, dieses Jahr haben sich gut 42 000 Teilnehmer angemeldet.

"Wir haben zwar noch ein gutes Stück Startbahn vor uns, aber schon drei Viertel hinter uns", sagte Thomas Mueller, Managing Director bei dem US-Vermögensverwalter Blackrock. Die Lage sei von Land zu Land unterschiedlich - in Griechenland gebe es gute Chancen für Investoren, in Deutschland aber sei es "eher spät am Tag", meinte Lars Huber, Europachef der Investmentgesellschaft Hines. Das britische Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben 116 Milliarden Dollar Kundengelder, das US-Unternehmen Blackrock hat nach Firmenangaben sechs Billionen Dollar Kapitalanlagen in den Büchern stehen.

Wohnimmobilien und Hotelinvestitionen nach wie vor beliebt

Wohnimmobilien seien für Investoren aber derzeit ein "aufgehender Stern", sagte John O'Driscoll, Europachef der Immobiliensparte der Axa -Versicherung. Beliebt bei den Geldgebern sind auch Investitionen in Hotels - verstärkt in südeuropäischen Ländern wie Griechenland. Das berichtete Peter Riley von M&G Real Estate bei dem Diskussionsforum vor mehreren hundert Zuhörern.

Internationale Vermögensverwalter wie Blackrock, Hines und M&G investieren überwiegend in großen Metropolen. Doch haben die Entscheidungen der Manager aufgrund der dabei bewegten Milliardensummen Auswirkungen auf den gesamten europäischen Immobilienmarkt.

Die Deutsche Bank-Tochter DWS kommt hingegen für die nahe Zukunft zu einer etwas anderen Schlussfolgerung: Der Boom auf dem Häusermarkt wird nach Einschätzung der DWS noch eine ganze Weile andauern. "Auf Sicht von ein bis zwei Jahren dürfte der Immobilienmarkt so weiterlaufen", sagte der für die Immobilienfonds der DWS zuständige Manager Georg Allendorf gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zu Beginn der Branchenmesse "Expo Real" in München. "Inzwischen haben wir aber in vielen Märkten ein sehr hohes Preisniveau erreicht, für uns bedeutet das, dass wir noch wählerischer geworden sind mit der Auswahl unserer Investments."

DWS bleibt bei europäischen Immobilieninvestments

Der Immobilienexperte, der für die Deutsche-Bank-Tochter DWS mit seinem Team 25 Publikums- und Spezialfonds mit einem Volumen von 22 Milliarden Euro betreut, hat dabei vor allem europäische Märkte im Visier: etwa die Niederlande oder Finnland und Teile Spaniens, wie die Metropole Barcelona.

Auch Warschau ist aus seiner Sicht ein Top-Standort. "Unser Fokus liegt aktuell ganz klar auf europäischen Objekten und nicht so sehr auf dem asiatischen Raum oder Nordamerika. Vor allem in den USA sind Immobilieninvestments wegen der hohen Zinsdifferenz und der daraus für uns folgenden hohen Kurssicherungs-Kosten derzeit weniger attraktiv."

Den Londoner Immobilienmarkt, den größten und teuersten in Europa, hält Allendorf trotz der andauernden Unklarheit über die Modalitäten des geplanten Ausstiegs Großbritanniens aus der EU Ende März nach wie vor für "erstaunlich widerstandsfähig." "Man darf London nicht abschreiben: Für Arbeitgeber außerhalb der Finanzindustrie ist London weiterhin ein sehr attraktiver Markt."

Auch Deutschland - allen voran die Großstädte München, Frankfurt und Berlin - bleibt für die Deutsche Bank als Immobilienstandort interessant.

wed/dpa/Reuters

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