Sonntag, 18. November 2018

Bau des Eigenheims Von der Stange oder maßgeschneidert

Architekten vs. Bauträger: Die Vor- und Nachteile im Überblick
DPA

Die weitaus meisten Eigenheime in Deutschland werden schlüsselfertig von Bauträgern erworben. Nur wenige Häuslebauer wenden sich an Architekten, die zwar individuell planen, aber als exklusiv und teurer gelten. Letzteres ist in vielen Fällen ein Irrtum.

Hamburg - Rolf Beyer ist immer wieder stolz, wenn er auf sein Haus angesprochen wird - und das passiert häufig. Das moderne Haus fällt auf in der Wohnsiedlung aus den 60er Jahren. Ein kubischer Baukörper, mit viel Holz und mediterranen Steinen, so geschickt geplant, dass man den zweiten Eingang gar nicht sieht.

Tatsächlich ist eine kleine, barrierefreie Wohnung in das Haus integriert, in die er später mit seiner Frau einziehen will. "Unsere Kinder sind schon fast erwachsen, wollen aber nicht weg von hier", sagt der dreifache Vater. "Wer von ihnen hier wohnen bleiben wird, ist noch nicht sicher. Aber wir haben uns schon bei der Planung darauf verlassen, dass wir hier alt werden."

Wochenlang hat Beyer mit seinem Architekten über den Plänen gebrütet, um einen optimalen Grundriss hinzubekommen und das Eigenheim mindestens "Zwei-Generationen-fähig" zu machen. "Ohne uns auf die Nerven zu fallen", lacht er. Und das klappt. Zurzeit wohnt sein Vater in der Altenwohnung. Man ist nah beieinander, sieht sich aber nicht jeden Tag.

"So ein individuelles Haus hätte mir kein Bauträger hingesetzt", ist Beyer überzeugt. "Mein Architekt hat mir so viel abgenommen, und wir sind auch weitgehend mit der eingeplanten Bausumme ausgekommen." Rund 420.000 Euro sollte der Traum vom eigenen Heim laut Planung kosten, am Ende wurden es gut 432.000 Euro. Allerdings hatte sich die Familie auch noch während der Bausphase für teurere Sanitäranlagen und Eichenparkett entschieden.

Auf den richtigen Architekten kommt es an

In Fachkreisen nennt man so etwas eine "Punktlandung". Denn finanzielle Abweichungen in dieser Größenordnung gelten als solide kalkuliert - insbesondere bei einem sogenannten Architektenhaus. "Grundsätzlich ist es sehr empfehlenswert, mit einem Architekten zu bauen", sagt Martin Wüstefeld, Bausachverständiger aus Wuppertal. "Man kann seine individuellen Wünsche umsetzen, das Haus so gestalten, dass es optimal zur Lebenssituation passt und auch noch Chancen für Veränderungen in der Zukunft bietet. Und wenn alles gut läuft, ist es nicht mal teurer, als ein Haus von der Stange."

Denn was beim Bauträger gespart wird, sind vor allem die Planungskosten, die durch die Wiederholung der Objekte, etwa beim Bau größerer Siedlungen, nur einmal anfallen. Natürlich spart der Bauträger auch beim Einkauf der größeren Mengen an Bauleistung. "Aber was der Bauträger eingespart hat, ist dann eben auch der maßgebliche Gewinn des Bauträgers", so Wüstefeld. "Der einzelne Käufer hat dadurch in der Regel keinen finanziellen Vorteil."

Also doch lieber selbst bauen? Wichtigste Voraussetzung dafür: Man findet den "richtigen" Architekten. Bauherr und Architekt müssen lange Zeit miteinander auskommen und ein Vertrauensverhältnis entwickeln. Wer mit einem Architekten baut, ist selbst Bauherr und hat zwischen 25 und 30 Vertragspartner aus Planung und den verschiedenen Gewerken, unter anderen Statiker, Bodengutachter, Erdbauer, Rohbauer, Fensterbauer, Zimmermann, Klempner, Fliesenleger. Ein erfahrener Architekt holt für den Bauherrn Angebote nur von ihm bekannten Fachplanern und Handwerksbetrieben ein und kontrolliert später für seinen Auftraggeber die Umsetzung aller vertraglich vereinbarten Leistungen.

Aus Sicht von Fachleuten ist das Aufspüren eines erfahrenen Architekten der schwierigste und wichtigste Teil beim Bauen, denn ein Architekt muss auch ein gewiefter Kaufmann sein, juristische Fallstricke in Vertragswerken kennen und stets alles, was am Bau passiert, im Blick haben. "Auf diese Aufgaben wird aber im Studium kaum jemand adäquat vorbereitet", weiß Wüstefeld. "Deshalb ist es wichtig, einen erfahrenen Architekten zu finden, der schon viele Projekte begleitet hat und dabei nachweislich sowohl zeitlich wie auch finanziell im festgelegten Rahmen geblieben ist."

Seite 1 von 3

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH