Mittwoch, 20. Juni 2018

Gebäudeversicherung Ergo droht 120.000 Kunden mit Kündigung

Ergo-Zentrale in Düsseldorf: "Gefahr unnötiger Auseinandersetzungen im Schadensfall"

Tausende Hausbesitzer bekommen Ärger mit der Ergo. Der Versicherer droht den Kunden mit der Kündigung ihrer Gebäudeversicherung. Das Unternehmen will neue Policen verkaufen - die sind aber deutlich teurer.

Hamburg - Rund 120.000 Ergo-Versicherte haben in den vergangenen Monaten Post bekommen. Die Kunden sollen eine neue Wohngebäudeversicherung abschließen. Wer das Angebot nicht annimmt, dem droht das Unternehmen mit der Kündigung des bestehenden Vertrags. Darüber berichtete zunächst die "Süddeutsche Zeitung", auf Nachfrage bestätigte eine Ergo-Sprecherin die Informationen. Die neuen Policen sind im Schnitt rund 14 Prozent teurer. Der Versicherer will mit der Aktion seine Gebäudesparte wieder in die Gewinnzone bringen. 2012 machte die Sparte einen Verlust von knapp 40 Millionen Euro.

Wehren können sich die Kunden nicht. Der Versicherer kann Verträge nach einem Schaden oder mit einer dreimonatigen Frist zum Ende des Versicherungsjahrs kündigen. Einfach die Beiträge in den alten Policen erhöhen kann Ergo dagegen nicht. Eine entsprechende Klausel fehlt in den alten Verträgen.

Laut dem Bund der Versicherten (BdV) kündigen auch andere Gesellschaften Wohngebäudeversicherungen, die sich als unattraktiv herausgestellt haben. So rabiat wie die Ergo gehe aber kein anderes Unternehmen vor, sagte Bianca Boss vom BdV der Zeitung. "Ergo hat hier schon eine Vorreiterrolle."

Die Ergo-Sprecherin verteidigte das Vorgehen. Die Kunden würden rechtzeitig informiert. Sie hätten also die Gelegenheit, auch selbst zu kündigen, wenn sie keinen neuen Vertrag wollten. Viele der Altverträge hätten zudem Konditionen, die von Verbraucherschützern heute als unzureichend eingestuft werden. Man biete den Kunden daher an, "auf die aktuellen Konditionen umzusteigen". Nur wenn dies nicht gelinge, "werden wir die Verträge kündigen, um im Schadensfall nicht in die Gefahr unnötiger Auseinandersetzungen zu laufen".

cte/spiegel online

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