Sonntag, 23. Juli 2017

Alle Artikel und Hintergründe

US-Immobilienmarkt Warnung vor neuer Hauspreisblase in den USA

Immobilienmarkt: Die teuersten US-Metropolen
Fotos
REUTERS

Gerade erst ist der Immobilienmarkt vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger der US-Wirtschaft avanciert. Doch die Erholung der Hauspreise geht manchen schon wieder zu schnell. Im Großraum San Jose etwa sind die Preise im Jahresvergleich um mehr als 20 Prozent gestiegen - Experten warnen vor der nächsten Spekulationsblase.

Hamburg - Das ging schnell. Im vergangenen Jahr feierte der US-Immobilienmarkt nach jahrelangem Siechtum endlich ein Comeback, das die Vermögen vieler überschuldeter Hausbesitzer aufbesserte, Konsum und Bauinvestitionen antrieb und damit gleich die ganze Volkswirtschaft.

Doch schon treibt die Entwicklung manchen Marktbeobachtern schon wieder die Sorgenfalten auf die Stirn. Der meistbeachtete Immobilienindex Case-Shiller, der Ende April mit bis Februar reichenden Daten veröffentlicht wurde, weist einen Anstieg der Preise um 9,3 Prozent gegenüber Vorjahr aus. Die Immobilienbörse Zillow, die ihren eigenen Index aktueller hält und damit die Case-Shiller-Zahlen relativ treffsicher vorhersagt, meldet für März sogar ein Plus von 9,8 Prozent an - die größte Steigerung seit Beginn der Krise 2006.

In fünf Großstädten im Westen der USA sind die Preise sogar um mehr als ein Fünftel gestiegen. In diesem Tempo sei die Erholung von der Depression "nicht nachhaltig", warnt Zillow-Chefvolkswirt Stan Humphries. Als Grund für mögliche "zukünftige Kopfschmerzen" nennt er angesichts weiter hoher Arbeitslosigkeit und stagnierender Einkommen die abnehmende Erschwinglichkeit.

In Extremfällen wie Los Angeles, San Francisco oder dem benachbarten San Jose sind die mittleren Kaufpreise bereits siebenmal so hoch wie die durchschnittlichen Jahreseinkommen. Trotzdem ist der Anteil der Wohnausgaben am laufenden Einkommen für Hauskäufer auf ein Rekordtief von 12,6 Prozent gesunken.

"Das liegt fast ausschließlich an den niedrigen Zinsen", urteilt Humphries, "und es gibt keinen Zweifel, dass die in den kommenden Jahren wieder steigen werden". Sobald das eintrete, werde die Nachfrage nach Häusern dramatisch einbrechen. Der staatliche Hypothekenfinanzierer Freddie Mac meldete am Donnerstag ein Rekordtief der Bauzinsen für Kredite mit 15-jähriger Laufzeit von 2,56 Prozent.

Nach Humphries' Ansicht wird die Dynamik des Markts derzeit weniger von der Nachfrage angetrieben als vom schwachen Angebot. In den Krisenjahren wurden kaum noch neue Häuser gebaut, und viele Besitzer halten sich vom Markt fern, weil ihre Schulden immer noch den aktuellen Marktwert ihrer Immobilie übersteigen. Das ist besonders in den Städten der Fall, die den höchsten Anstieg der Preise ausweisen.

Die teuersten US-Metropolen

Nachrichtenticker

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH