Mittwoch, 4. März 2015

Eigenheimfinanzierung Keine Angst vorm Zinsanstieg

Trautes Heim, Glück allein: Das Zinstief ermöglicht immer mehr Menschen die eigene Immobilie

Das historisch billige Baugeld lässt immer mehr Familien an den Kauf eines Eigenheims denken. Experten raten aber zur Vorsicht: Die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen - der Trend dürfte sich umkehren, wenn die Zinsen wieder anziehen.

Hamburg - Hartwig Hamm wäre nicht der richtige Mann auf dem Posten des LBS-Verbandsdirektors, wenn er es nicht verstünde, die Werbetrommel für den Wohneigentumserwerb kräftig zu rühren. Jetzt hat der Chef der zehn Landesbausparkassen in der Sparkassen-Finanzgruppe, "für Durchschnittsverdiener, die sich für eigene vier Wände interessieren, ein ganz starkes Kaufsignal" ausgemacht: "Die Zinsen sind niedriger als je zuvor."

Nur noch 2,42 Prozent verlangen Immobilienfinanzierer im Schnitt für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindungsfrist, hat das Verbraucherfinanzportal Biallo ermittelt. Es ist der niedrigste Zinssatz in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Noch vor fünf Jahren betrug der durchschnittliche Zinssatz für derart lange Finanzierungen 5,28 Prozent.

Das billige Baugeld ist inzwischen mit der Hauptgrund, weshalb Häuser und Wohnungen gekauft werden. Das zeigt eine gemeinsame Umfrage des Baugeldvermittlers Interhyp Börsen-Chart zeigen und des Internetportals Immobilienscout24. "51 Prozent der Befragten nannten die Altersvorsorge, 44 Prozent die günstigen Zinsen als Kaufmotiv", sagt Interhyp-Vorstandschef Michiel Goris. Hingegen wollen nur 31 Prozent Eigentum erwerben, um vom Vermieter unabhängig zu sein.

Was das Baugeld in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren immer billiger machte, war die Finanzkrise. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte in ihrem Verlauf die Leitzinsen auf aktuell nur noch 0,75 Prozent - erst um die Rezession abzumildern, anschließend, um der Konjunktur in den hoch verschuldeten südeuropäischen Staaten wieder auf die Beine zu helfen. Gleichzeitig ließen die Turbulenzen in Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien und zuletzt in Zypern Investoren massiv in Bundesanleihen und deutsche Pfandbriefe flüchten.

Niedrigzins lässt Preise steigen

Die Banken hierzulande konnten dadurch ihre Immobilienkredite immer günstiger refinanzieren und reichten die niedrigen Zinssätze im Wettbewerb um neue Kunden an die Immobilienkäufer weiter. "Das billige Baugeld in Deutschland ist ein Produkt der Krise", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

Doch es gibt auch eine Kehrseite: Je tiefer die Zinsen sanken, desto mehr Käufer strömten in die Immobilienmärkte. Das trieb die Preise von Häuser und Wohnungen stark in die Höhe. In Ballungszentren wie Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart verteuerten sich Eigentumswohnungen seit 2008 um mehr als 50 Prozent.

Der Trend hält weiter an, wie der Immobilienpreisindex IMX von Immobilienscout24 zeigt. Das Barometer markierte im März neue Höchststände. "Die für Eigentumswohnungen im Bestand aufgerufenen Preise stiegen im Jahresvergleich im Bundesschnitt um 8,8 Prozent", sagt Michael Kiefer, Leiter Immobilienbewertung bei Immobilienscout24. Bei neuen Eigentumswohnungen betrage das Plus seit April vergangenen Jahres sogar 9,1 Prozent.

Deshalb warnen Experten davor, allein wegen des billigen Baugelds jetzt übereilt Haus oder eine Wohnung zu erwerben. "Wer jetzt kauft, zahlt für die niedrigen Zinsen einen überhöhten Immobilienpreis", sagt Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung am IREBS Institut für Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg.

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