Dienstag, 21. November 2017

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Immobilienfonds Anleger von Wölbern Invest bangen um ihre Millionen

Blick auf Rotterdam: In der niederländischen Metropole investiert Wölbern Invest mit einem aktuellen Fonds - und rät gleichzeitig zum Exit aus dem Markt

2. Teil: Interne Wölbern-Zahlen zum Portfolioverkauf

Dabei ist der Verdacht keineswegs neu. Schon vor Monaten ging eine entsprechende Anzeige bei der Hamburger Staatsanwaltschaft ein. Die Behörde ermittelt aufgrund dessen seit Herbst 2012 gegen Schulte (Az. 5650 Js 27/12) und einen weiteren Manager des Hauses. Auf Anfrage von manager magazin online teilt die Staatsanwaltschaft mit, die aktuellen Jahresbilanzen würden gegenwärtig geprüft, die Auswertung der Unterlagen dauere noch an.

Klar ist aber: Die Zahlen in den Jahresberichten geben erstmals konkrete Anhaltspunkte für eine mögliche Zweckentfremdung von Fondsgeldern. Wölbern Invest wollte die fragwürdigen Millionensummen auf Anfrage mit Verweis auf die Vertraulichkeit der Daten nicht erläutern. Eine Unternehmenssprecherin verweist darauf, sämtliche Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens seien "fristgerecht zum Jahresbeginn 2012 für die Fonds erlöst worden".

Mit Einhaltung der Zwölf-Monats-Frist wären die Geldentnahmen wohl zumindest nach den Regeln des für zahlreiche Wölbern-Fonds eingeführten Liquiditätsmanagementsystems legitim. Dieser Liquiditätspool erlaubt die Darlehensvergabe der teilnehmenden Fonds untereinander. Er wurde jedoch erst Anfang 2012 eingeführt, zu einem Zeitpunkt also, als die vermuteten Transaktionen schon geschehen waren. Zudem wurde der Gesellschafterbeschluss zur Teilnahme an dem Pool für zahlreiche Fonds inzwischen von Gerichten wieder kassiert.

Wölbern Invest weist den Verdacht, Gelder unrechtmäßig zweckentfremdet zu haben, jedoch zurück. Insbesondere sei kein Geld aus den Fonds verwendet worden, um eine Zwangsvollstreckung gegen Firmenchef Schulte abzuwenden.

Schultes Immobilien sollten versteigert werden

Zum Hintergrund: Just im Jahr 2011 gab es ein Zwangsvollstreckungsverfahren gegen Wölbern-Chef Schulte. Nach Angaben von Wölbern Invest richtete sich das Verfahren gegen Schulte in seiner Funktion als Komplementär der Wölbern Invest KG, nicht als Privatperson. Gläubiger der Forderung über 6,6 Millionen Euro war das Bankhaus Wölbern.

Aufgrund der Forderung ordnete das Amtsgericht Hamburg-Blankenese im Mai 2011 die Zwangsversteigerung einer Wohnimmobilie Schultes an der Hamburger Elbchaussee an. Gleiches verfügte das Amtsgericht Niebüll für eine Immobilie des Wölbern-Chefs in Kampen auf Sylt, wie Schriftstücke zeigen, die manager magazin online vorliegen. Zu den Versteigerungen kam es allerdings nicht. Schulte beglich die offene Millionenforderung im letzten Moment, wie manager magazin online seinerzeit berichtete.

Um ihr Geld sorgen sich Wölbern-Anleger allerdings nicht nur mit Blick zurück. Auch in der Zukunft wähnen einige Ungemach. Die Rede ist vom geplanten Portfolioverkauf von Fondsimmobilien, den manager magazin online Ende Februar exklusiv publik machte. Ein Paket mit Fondsimmobilien beispielsweise in Holland, Deutschland oder Frankreich im Wert von zusammen rund 1,4 Milliarden Euro will Wölbern Invest veräußern. Danach will sich das Emissionshaus aus dem Publikumsfondsgeschäft zurückzuziehen.

Was die Investoren dazu interessieren dürfte: In Wölbern-Unterlagen, die manager magazin online vorliegen, sind für ein knappes Dutzend der am Paketverkauf teilnehmenden Fonds die nach derzeitiger Planung offenbar für möglich gehaltenen Gesamtrückflüsse für die Anleger aufgeführt. Den Zahlen zufolge käme ein großer Teil der Fonds unterm Strich auf Rückflüsse von weniger als 100 Prozent. Darüber hat das Emissionshaus bereits Vertriebspartner informiert.

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