Montag, 6. Juli 2015

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Immobilienkrimi Kommissarin Bafin ermittelt nicht

Tatort München: Die Frankfurter S&K-Immobiliengruppe hat in der bayerischen Hauptstadt die Kontrolle über zahlreiche Immobilienfonds übernommen - was sind die Folgen?
[M] manager magazin; Getty Images
Tatort München: Die Frankfurter S&K-Immobiliengruppe hat in der bayerischen Hauptstadt die Kontrolle über zahlreiche Immobilienfonds übernommen - was sind die Folgen?

Thriller im Immobilienmarkt, es spielen mit: Die Frankfurter S&K-Gruppe, die Fondshäuser SHB und DCM in München, zehntausende Anleger, ein SPD-Mann im Bundestag und ein Staatssekretär im Finanzministerium. Es geht um Investorengelder in Milliardenhöhe.

Hamburg - Solche E-Mails bekommt der Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes von der SPD nicht alle Tage. Es drohe ein "Geldverlust für ca. 37.000 Anleger", alarmierte ihn Mitte Januar ein Anlageberater. Die Politik und die Behörden müssten einschreiten, andernfalls könne der Schaden größer werden als bei der Lehman-Pleite.

Was der Finanzvertriebler aus Thönnes' Wahlkreis Nahe Hamburgs dann schildert, liest sich wie der Plot eines Wirtschaftskrimis. Die Kurzversion: Eine Immobilienfirma übernimmt die Kontrolle über ein Fondsemissionshaus. Sie tauscht das Management aus, greift auf die Anlegergelder zu und bereitet Geschäfte zum eigenen Vorteil vor, durch die den Investoren weitere Verluste drohen könnten.

Fernsehtauglicher Stoff also - aber in diesem Fall anscheinend keineswegs fiktiv. Bei dem Fondsanbieter, der zum Ziel der Attacke wurde, handelt es sich um die SHB AG mit Sitz bei München. In die Beteiligungsofferten des Unternehmens haben zehntausende Anleger in den vergangenen Jahren eine dreistellige Millionensumme gesteckt - mindestens. Laut eigener Internetseite hat SHB seit 2001 ein Fondsvolumen von 1,8 Milliarden Euro gestemmt.

Und auch der angebliche Übeltäter ist kein Unbekannter: Es handelt sich um die S&K-Gruppe aus Frankfurt am Main, ein Firmenkonglomerat, das vor allem mit dem Handel von Immobilien zu den "führenden Real-Estate-Unternehmen in Deutschland" aufsteigen will. Mit dem Vorgehen bei SHB sorgt S&K nicht zum ersten Mal für Aufregung im grauen Kapitalmarkt.

Mögliche Mogelei bei der Immobilienbewertung

Schon länger beäugen Marktkenner die Firmenguppe mit Skepsis. Anlegerschützer sorgen sich um die Gelder von tausenden Privatleuten, mit denen das Unternehmen seine Geschäfte finanziert. Immerhin verwaltet S&K eigenen Angaben zufolge bereits einen Immobilienbestand von über 1,7 Milliarden Euro. Der "Wirtschaftswoche" war die Firma zuletzt sogar eine Titelgeschichte wert ("Finger weg!").

Und die Vorbehalte kommen nicht von ungefähr. Vor wenigen Monaten schilderte manager magazin online bereits detailiert, wie S&K bei der Bewertung der eigenen Immobilien augenscheinlich gemogelt und den Bestand damit offenbar künstlich aufgebläht hat. Mit dem Gutachter, der bei diesem mutmaßlichen Schwindel die zentrale Rolle spielte, beendete S&K unmittelbar nach dem Bericht die Zusammenarbeit, wie Firmenchef Jonas Köller manager magazin online mitteilte.

Und nun also der Fall SHB, der es bis auf den Schreibtisch des Abgeordneten Thönnes geschafft hat. S&K übernahm den Fondsanbieter Ende 2012, tauschte zunächst einen Großteil des Managements aus und sorgte seitdem mit verschiedenen Maßnahmen für Kopfschütteln und Empörung bei Kunden und Partnern des Hauses.

Ein Beispiel: Zum Jahreswechsel liefen die stillen Beteiligungen von geschätzt mehreren hundert SHB-Anlegern aus. Ein Finanzdienstleister, der nah am Geschehen ist, taxiert die Summe, die diesen Investoren zur Auszahlung zusteht und bereits zugesagt war, auf etwa acht Millionen Euro. Die Zahl wird von SHB auf Anfrage weder bestätigt noch dementiert.

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