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19.12.2012
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Bausparkassen
"Dieser Skandal wird nicht der letzte sein"

Von Lutz Reiche

"Sehr subtile Taktik": Offenbar versuchen viele Bausparkassen seit Jahren ihre Kunden in niedrigere verzinste Verträge zu drängen
DPA

"Sehr subtile Taktik": Offenbar versuchen viele Bausparkassen seit Jahren ihre Kunden in niedrigere verzinste Verträge zu drängen

Wüstenrot ist kein Einzelfall. Schon seit Jahren versuchten Bausparkassen, ihre Kunden in schlechter verzinste Verträge zu drängen, ist Niels Nauhauser überzeugt. Im Interview entlarvt der Finanzexperte die Argumente der Branche - und sagt, wie Bausparer noch lange Freude an ihren alten Verträgen haben.

mm: Herr Nauhauser, früher galten Bausparverträge als langweilig. Was macht diese Verträge heute so attraktiv?

Nauhauser: Bei einigen alten Verträgen wurde ein Guthabenzins von bis zu 2,5 Prozent vereinbart, der heute am Markt nicht ohne weiteres erzielbar ist. Da können nur noch wenige gute Tagesgeld- und Festgeldangebote mithalten. Wenn dann der Tarif auch noch eine Bonuszinsregelung enthält, wodurch die Guthabenverzinsung auf über 4 Prozent steigen kann, dann ist das heute eine unschlagbare Kondition am Markt für sichere, kurzfristig verfügbare Geldanlagen.

mm: Die Wüstenrot-Bausparkasse versucht nun offenbar, zehntausende Kunden in schlechter verzinste Verträge zu drängen. Ein Einzelfall?

Nauhauser: Nein. Wir haben seit über fünf Jahren immer wieder Anfragen von Verbrauchern, die uns berichten, dass Vertreter sie überreden wollten, aus einem gut verzinsten Vertrag in einen schlechter verzinsten zu wechseln. Die ganze Branche leidet unter ihren Versprechungen der Vergangenheit. Und der Leidensdruck scheint immer größer zu werden angesichts stetig sinkender Zinsen. Die Methodik, die Verbraucher aus den Altverträgen zu drängen, hat jetzt eine neue Qualität erreicht.

mm: Mit welchen Argumenten machen die Bausparkassen den Kunden einen Vertragswechsel schmackhaft?

Nauhauser: Sie werben mit niedrigeren Darlehenszinsen oder einfach mit ihrer attestierten Beratungskompetenz. Wüstenrot zum Beispiel schrieb einem Kunden, dessen Vertrag zuteilungsreif war, er solle sich vom Testsieger beraten lassen. Entsprechende Siegel von "Finanztest" (Testsieger), n-tv (Top Bausparkasse 2012) und "Börse-Online" (Beste Direktbank des Jahres 2011) sollten die Vertrauenswürdigkeit der Beratung durch Wüstenrot belegen. Das hat der Verbraucher dann auch gemacht. Im Gespräch hat der Berater ihm einen sogenannten "Abrufschein Zuteilungsannahme" vorgelegt und um Unterschrift gebeten. Hier kann der Verbraucher verschiedene Optionen ankreuzen. Allerdings fehlt eine wesentliche Option, nämlich den Vertrag so zu belassen wie er ist. Das ist eine sehr subtile Taktik, die es Verbrauchern erschwert, Falschberatung nachzuweisen.

mm: Ein Baudarlehen mit niedrigeren Zinsen könnte ja auch vorteilhaft sein. Welche Folgen hat ein Tarifwechsel in der Regel für den Kunden?

Nauhauser: Auf den ersten Blick mag das interessant sein, sich ein Darlehen mit nominell 1,6 Prozent Zinsen zu sichern. Allerdings zahlt man dafür einen hohen Preis, der in den Zins eingerechnet, das Darlehen gänzlich unattraktiv macht. So heißt es bei Wüstenrot in der vom Kunden zu unterschreibenden Umwandlungserklärung: "Mir ist bekannt, dass das Bausparguthaben rückwirkend ab Vertragsbeginn mit 0,5 Prozent jährlich verzinst wird." Weil die Verträge aber bislang viel höher verzinst waren, werden je nach Tarif bis zu 80 Prozent der bislang gutgeschriebenen Zinsen wieder belastet. Das nennt man dann Tarifumwandlungsbetrag. Außerdem fallen dann noch Darlehensgebühren an in Höhe von 2 Prozent der Darlehenssumme. Unter dem Strich ist das in den meisten Fällen ein wirklich schlechtes Geschäft, ausgenommen natürlich für den Berater.

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Zur Person

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    Niels Nauhauser ist Referent für Altersvorsorge, Banken und Kredite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.









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