Samstag, 29. August 2015

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Immobilienfirma WGF-Pleite bringt Anleihezeichner in Not

Wohnbauprojekt der WGF in Hamburg: Die Insolvenz der Firma lässt Anleger bangen

Die Pleite der Düsseldorfer Immobiliengesellschaft WGF wirft ein Schlaglicht auf eine Nische des Anlagemarktes: Hochverzinste Anleihen, insbesondere von Immobilienfirmen. Schon oft erlitten Anleger damit Verluste - Experten raten von solchen Papieren generell ab.

Hamburg - Nach einem Bilanzverlust von 71,3 Millionen Euro hat das Düsseldorfer Immobilienunternehmen Westfälische Grundbesitz- und Finanzverwaltung AG (WGF) diese Woche Insolvenz angemeldet. Der Vorstandsvorsitzende Pino Sergio will das Unternehmen im Gläubigerschutz unter Eigenverwaltung selbst weiter führen.

Die für Anleger spannende Frage lautet jedoch, ob und in welchem Umfang die Düsseldorfer Gesellschaft ihre sechs bis 2017 fällig werdenden börsennotierten Anleihen im Gesamtvolumen von 198,8 Millionen Euro sowie zwei Genussscheine über insgesamt 2,76 Millionen Euro mit Laufzeiten bis 2022 zurückzahlen kann. Derzeit erscheint die Antwort unklar. Mehr als 200 Millionen Euro stehen im Feuer. Zehntausende Zeichner bangen um ihr Geld.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf eine wenig beachtete Nische des Anlagemarktes. Anleihen und Genussscheine sind gegenüber Bankdarlehen nachrangig besichert. Erst wenn die Forderungen der Kreditgeber befriedigt sind, fließt Geld an die Zeichner der Papiere. "Insbesondere Abschreibungen auf das Anlagevermögen" hätten zum Verlust geführt, ließ Sergio die Investoren in einer Mitteilung wissen.

Damit ist die WGF kein Einzelfall. Immer wieder haben insbesondere Immobilienunternehmen in der Vergangenheit auf ähnliche Weise für Anlegerverluste gesorgt. Erst im September hatte etwa die Deikon Insolvenz angemeldet. Die Kölner Gesellschaft hatte über Anleihen 70 Millionen Euro aufgenommen. Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier geht nach einer vorläufigen Bewertung des Immobilienportfolios davon aus, dass nach einem Verkauf der Objekte die Anleger nur 20 bis 40 Prozent ihres investierten Kapitals wiedersehen dürften.

Pleiten trotz Immobilienboom

Zuvor war vor einigen Jahren bereits die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West zahlungsunfähig geworden. Dabei hatten nach Schätzungen der Schutzgemeinschaft für geschädigte Kapitalanleger (SGK) rund 28.000 Anleihe-Zeichner fast 300 Millionen Euro verloren. Das Wohnungsunternehmen hatte Anlegern Zinsen von 6,75 Prozent versprochen. Die WGF hatte für ihre Papiere Zinsen von bis zu 6,35 Prozent geboten.

Die Pleiten kommen für viele Anleger überraschend angesichts des gegenwärtigen Immobilienbooms in Deutschland. In- und ausländische Altersvorsorgeeinrichtungen, Fonds und Versicherungen stürzen sich derzeit mit Macht auf deutsche Wohn- und Gewerbeimmobilien.

Allein in den ersten neun Monaten des Jahres wechselten Bürotürme, Shoppingcenter und Logistikobjekte im Gesamtwert von 14,5 Milliarden Euro den Besitzer, hat die Beratungsgesellschaft CB Richard Ellis (CBRE) ermittelt. Weitere 8,2 Milliarden Euro legten die Profis in Wohnungen an. "Der deutsche Immobilienmarkt ist in der Euro-Krise zum Anlagehafen für Investoren geworden", sagt CBRE-Investmentchef Fabian Klein.

Allerdings profitieren längst nicht alle Immobiliengesellschaften von dem Boom. Denn Top-Preise werden nur für Gebäude in besten Lagen gezahlt, wenn diese zudem langfristig an bonitätsstarke Nutzer vermietet sind. Das bereitete der auf Projektentwicklungen und den Immobilienhandel spezialisierten WGF offenbar Probleme, Objekte mit Gewinn zu veräußern.

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