Freitag, 4. September 2015

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Immobilienfirma WGF-Pleite bringt Anleihezeichner in Not

Wohnbauprojekt der WGF in Hamburg: Die Insolvenz der Firma lässt Anleger bangen

2. Teil: Warnsignale für Anleger

Die Gesellschaft musste nach eigenen Angaben Abwertungen im Portfolio vornehmen, was im Bilanzverlust mündete. Die Wirtschaftsprüfer hätten beim Jahresabschluss "nicht mehr die von unabhängigen Sachverständigen erstellten, langfristig realistischen Wertgutachten, sondern realisierte Verkaufspreise aus Verkäufen in einer schwierigen Marktsituation als Basis für die Neubewertung des Immobilienbestandes zu Grunde gelegt", lässt die Gesellschaft die Anleger wissen.

Die Deikon verfolgte als Käufer und Vermieter von Fachmarktzentren und anderen Einzelhandelsimmobilien zwar ein konservatives Geschäftsmodell. Dennoch konnte auch sie schließlich ihre Verbindlichkeiten nicht mehr aus den Mieterträgen bedienen. Die im August begonnenen Sanierungsverhandlungen mit Banken und Anleihezeichnern scheiterten. Erfolglos hätten die Anleihegläubiger angeboten, auf 80 Prozent ihrer Zinseinkünfte aus den Anleihen zu verzichten, sagt der Düsseldorfer Fachanwalt für Kapitalanlagerecht Klaus Dittke. "Die Insolvenz ist eine große Enttäuschung für die Anleger."

Für Marktkenner hingegen kommen die Insolvenzen nicht überraschend. "Immobiliengesellschaften, die über gute Objekte verfügen, sind nicht darauf angewiesen, sich Kapital über hochverzinste Anleihen und Genussscheine zu beschaffen", sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Der Experte weiß: Wenn die Zinsversprechen der Wertpapiere besonders üppig sind, droht meist Gefahr. "Banken stellen für Topimmobilien derzeit Finanzierungen mit zehnjähriger Laufzeit zu Zinsraten von unter 3 Prozent", sagt Nauhauser. Wenn eine Gesellschaft dennoch versuche, mit hohen Zinsversprechen Kapital bei Privatanlegern einzusammeln, sei dies "immer ein Warnsignal", sagt er. "Anleger sollten sich fragen, warum sie einem Unternehmen ihr Geld anvertrauen wollen, wenn die Banken offenbar nicht bereit sind, dies zu tun."

Prominenter Berater hilft nicht

Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass Immobilienunternehmen nicht nur über Bankdarlehen, sondern auch über Anleihen Geld direkt am Kapitalmarkt aufnehmen. "Große, etablierte Gesellschaften können sich so häufig noch günstiger finanzieren", sagt Peter Mattil, Fachanwalt für Kapitalanlagerecht. Denn die Gesellschaften müssen in diesem Fall noch niedrigere Zinsen zahlen.

Ein Beispiel dafür ist die börsennotierte Berliner Wohnungsgesellschaft GSW. Das Unternehmen mit einem Bestand von 52.300 Wohnungen in der Hauptstadt konnte im November eine Wandelanleihe über 182,9 Millionen Euro an der Börse platzieren - zu einem Zinssatz von nur 2 Prozent. Zeichner waren allerdings ausschließlich institutionelle Investoren wie Altersvorsorgeeinrichtungen, Stiftungen und Versicherungen.

"Solide aufgestellte Immobilienunternehmen bekommen problemlos von Großanlegern Kapital zu sehr niedrigen Zinsen", sagt Mattil. "Wenn Gesellschaften hingegen mit hohen Zinsen um kleine Sparer buhlen, ist grundsätzlich Vorsicht geboten." Privatanleger sollten dann sehr misstrauisch sein. "Im Zweifel ist es immer besser, auf die spekulative Rendite zu verzichten - aber dafür das eigene Geld zu behalten", sagt der Experte.

"Auch große Namen sind keine Garantie dafür, dass ein Unternehmen vor Problemen gefeit ist", ergänzt Nauhauser. Die WGF hatte vergangenes Jahr den bekannten Rechtswissenschaftler Hans-Peter Schwintowski zum Vorsitzenden ihres Aufsichtsrats berufen. Der Professor an der Berliner Humboldt-Universität war Sachverständiger in verschiedenen Gesetzgebungsverfahren zu Reformen des Finanzmarkts und des Versicherungsvertragsrechts und gilt als Kritiker von Assekuranzen und Banken. Die Insolvenz der Gesellschaft konnte er nicht verhindern.

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