Donnerstag, 27. August 2015

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Private Geldanlage Luxushotels suchen Investoren

Ranking: Das sind die Hotelhauptstädte Europas
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DPA

Der Hotelinvestmentmarkt in Deutschland kommt nach einem schwachen Jahresauftakt wieder in Schwung. Es locken reizvolle Renditen, auf die per Fondsinvestment auch Privatleute hoffen können. Doch Vorsicht: Die Liste der Anlageflopps ist bereits lang.

Hamburg - Wer in Hamburg ein Luxushotel kaufen möchte, hat zurzeit die freie Auswahl. Das "Vier Jahreszeiten" an der Binnenalster etwa, mit einer Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, wird von der kanadischen Fairmont Raffles Gruppe schon seit geraumer Zeit zum Verkauf angeboten. Auch das "Atlantic Kempinski", seit eh und je Heimat von Kultrocker Udo Lindenberg, ist Berichten zufolge auf dem Markt. Aktuelle Eigentümerin ist die Octavian Hotel Holding.

Selbst das "Le Royal Méridien", das die Volksfürsorge Versicherung erst vor rund zehn Jahren baute, will die Volksfürsorge-Mutter Generali jetzt abstoßen, wie manager magazin online aus Marktkreisen erfuhr. Möglicherweise muss zudem auch für das "Intercontinental" ein neuer Besitzer her. Für das Traditionshaus an der Außenalster meldete die Schweizer Eigentümerin Grod Hotel Ende Oktober Insolvenz an.

Mit dem umfangreichen Angebot für Investoren ist Hamburg kein Einzelfall. Nach einer Flaute in der ersten Jahreshälfte steht bundesweit zurzeit wieder eine große Zahl von Hotelimmobilien zum Verkauf, sagt Olivia Kaussen, Leiterin von CBRE Hotels. Darunter befinden sich viele gut laufende Objekte wie vermutlich einige der Luxushäuser Hamburgs, aber auch Problemfälle.

Zu letzteren zählen beispielsweise das "Grand Hotel Heiligendamm" an der Ostsee sowie das Hotel "Land Fleesensee" in der Mecklenburgischen Seenplatte. Beide Häuser wurden von geschlossenen Immobilienfonds finanziert, die inzwischen entweder bereits pleite sind ("Heiligendamm") oder in ernster Schieflage ("Fleesensee").

Hoffen auf das Schlussquartal

Unter den Anbietern am Hotelinvestmentmarkt befinden sich zudem einige offene Immobilienfonds, die derzeit ihre Bestände liquidieren, weil im Rahmen der Finanzkrise ihre Auflösung beschlossen wurde. Der rund fünf Milliarden Euro schwere "SEB Immoinvest" etwa hat fast 5 Prozent seines Vermögens in Hotels gesteckt. Beim 2,5-Milliarden-Euro-Fonds "Axa Immoselect" beträgt der Hotelanteil sogar 9 Prozent. Der Fonds ist hierzulande allerdings lediglich zu 22 Prozent aktiv.

Doch nicht nur das Angebot ist groß. Auch die Nachfrage nach Hotelimmobilien hat zuletzt angezogen. In Hamburg etwa hat CBRE im laufenden Jahr bislang vier Transaktionen begleitet. Die Bedeutendste war der Verkauf des "Madison" am Schaarsteinweg, nahe Baumwall. 37,5 Millionen Euro zahlte die international agierende Ascott Gruppe für das Haus, das sich zuvor im Besitz von Axa Real Estate befand.

"Wir kommen in Hamburg 2012 auf ein Investmentvolumen von etwa 105 Millionen Euro, also etwa 5 Prozent des Gesamtvolumens am hiesigen Gewerbeimmobilienmarkt von rund zwei Milliarden Euro", sagt Uwe Reintjens, Investmentexperte der örtlichen Vertretung des internationalen Immobilienberaters CBRE. "Das ist meiner Meinung nach nicht wenig."

Damit liegt die Hansestadt wiederum im Trend. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL) wechselten in ganz Deutschland im dritten Quartal Herbergen im Wert von insgesamt 335 Millionen Euro den Besitzer. In den beiden Quartalen zuvor kam lediglich ein Transaktionsvolumen von zusammen 200 Millionen Euro zustande, so JLL. Gegenüber dem Vorjahr liegt der Hotelimmobilien-Investmentmarkt damit nach drei Quartalen zwar nach wie vor leicht im Minus. Experten zufolge könnte aber ein gutes Schlussviertel trotz des schwachen Jahresauftakts für ein Gesamtergebnis auf 2011er-Niveau sorgen.

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