Samstag, 23. Mai 2015

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Einzelhandelsimmobilien Wie das Internet den Markt umkrempelt

Schöne Bescherung: Der Einkaufsbummel ist schön, doch geshoppt wird immer öfter im Netz

2. Teil: Besucher im Netz

Bernd Hartmann, Leiter des Investment-Research der National Bank, fasst sie in Worte: "Die Sorgen, dass die schwindende Auslandsnachfrage zunehmend auch die Binnennachfrage belastet, scheinen sich zu bestätigen. Die Einzelhandelszahlen haben mit einem Rückgang um 2,8 Prozent gegenüber dem Vormonat deutlich enttäuscht. Zwar scheinen sich die Vorlaufindikatoren in der Eurozone allmählich zu stabilisieren. Die schmerzhaften Anpassungen in vielen Euroländern sind gerade erst angelaufen. Das wird auch die Realwirtschaft in Deutschland vorübergehend weiter belasten."

Der andere Faktor ist das Internet. Denn immer öfter kaufen die deutschen per Mausklick ein und lassen die City oder das Shoppingcenter links liegen. Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung OC&C, dem "Proposition Index 2012", liegen Online-Kaufhäuser in der Gunst ihrer Kunden erstmals vor ihren stationären Konkurrenten. "Die Entwicklung des vergangenen Jahres zeigt, dass ehemals führende Handelsunternehmen die Gunst der Kunden nachhaltig verlieren", sagt Christian Ziegfeld, der für die Studie verantwortliche Partner bei OC&C. "Schlecker und Praktiker sind die offensichtlichsten Beispiele, aber auch Formate wie MediaMarkt, Görtz oder Esprit spüren den Marktwandel. Führende Online-Anbieter verstehen die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen derzeit besser und überzeugen durch ein ausgefeiltes Leistungsversprechen."

Ähnliches beobachtet auch Lahcen Knapp, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der One Group: "Die auffälligste Veränderung zur Zeit ist aber die immer weiter sinkende Besucherfrequenz der Innenstadtlagen. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass der stark wachsende Onlinehandel zu einem nachhaltig negativen Faktor für den Einzelhandel wird. Sollte sich dieser Trend weiter verstärken sehen wir darin eine nachhaltige Beeinträchtigung des deutschen Marktes für Einzelhandelsimmobilien."

Wachsende Skepsis

Entsprechend sind sie inzwischen wieder häufiger zu hören, die skeptischen Stimmen. "Auf dem deutschen Einzelhandelsimmobilienmarkt beobachten wir einen leichten Rückgang der Transaktionsvolumina sowie ebenfalls einen Rückgang im Vermietungsmarkt", sagt zum Beispiel Knapp. "Die größte Stütze des Marktes sind im Moment die ausländischen Investoren, die aufgrund der starken Binnenkonjunktur verstärkt auf den deutschen Markt drängen." Firmen also wie Catalyst. Sie profitieren von dem Anlagedruck weltweit. Denn Investoren suchen weiterhin nach leidlich sicheren Anlagen - und viele meinen mit deutschen Immobilien fündig geworden zu sein.

Das gilt für Wohnimmobilien, aber auch für Gewerbeimmobilien. Und das treibt die Preise. Das Weihnachtsgeschäft ist dafür ein besonders guter Indikator.

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