Donnerstag, 30. Juli 2015

Alle Artikel und Hintergründe

Wohnkosten "Wir leben in einem Schlaraffenland"

Gründerzeitbau in Berlin Friedrichshain: "Über drei Dekaden sind die Mieten langsamer gestiegen als die Inflation"

Mietwucher, Wohnungsmangel, Preisblase - alles völliger Unsinn, meint Rolf Elgeti, Chef des MDax-Unternehmens TAG Immobilien. Im Gespräch mit manager magazin online sagt er, warum Ostdeutschland sein Lieblingsstandort ist und warum er mit hübschen Fassaden nichts anfangen kann.

mm: Herr Elgeti, Anfang des Jahres hat die TAG für knapp eine Milliarde Euro 25.000 Wohnungen der DKB-Immobilien gekauft. Nun haben Sie sich das TLG-Portfolio mit rund 12.000 Wohnungen des Bundes für 471 Millionen Euro gesichert. Wann überraschen Sie Ihre Aktionäre mit dem dritten Streich?

Elgeti: Wir haben mit den Portfolios zwei sehr gute Deals gemacht. Ich gehe nicht davon aus, dass wir bei der nächsten Transaktion zum Zuge kommen werden.

mm: Derzeit stehen 33.000 Wohnungen der BayernLB-Tochter GBW im Schaufenster. Kein Interesse?

Elgeti: Zu solchen vertraulichen Verhandlungen möchte ich mich nicht äußern. Wie gesagt: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch einmal zum Zuge kommen, ist gering. Insgesamt entwickelt sich der Markt sehr positiv. Wir werden die Entwicklung weiter verfolgen und zukaufen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

mm: Der Bund hat bereits im Jahr 2008 versucht, die Wohnungen der ostdeutschen Immobiliengesellschaft TLG loszuschlagen. Damals verhinderte die Finanzkrise den Verkauf. Vier Jahre später haben Sie zugegriffen. Was macht die TLG attraktiv?

Elgeti: Wir sind an den Standorten bereits vertreten, deswegen passen die TLG-Wohnungen ideal zu unserem Bestandsportfolio. Zudem befinden Sie sich in einem guten Zustand, sind gut verwaltet und verfügen über ein vergleichsweise hohes Mietniveau.

mm: Warum investieren Sie so stark in Ostdeutschland?

Elgeti: Bei einigen der großen Wohnungspakete, die zum Verkauf standen, ging es um Ostdeutschland. Viele Investoren schrecken davor zurück - zu Unrecht. Die Top-10-Standorte in der Region sind nicht unattraktiver als westdeutsche. Die demografische Realität ist in vielen Fällen besser als die Wahrnehmung. Die meisten Städte wachsen.

mm: Was sind Ihre Favoriten?

Elgeti: Die Ostseeküste, der Großraum Berlin und die Städte an der Autobahn A4 wie Erfurt, Weimar oder Dresden.

mm: Verbände befürchten nun Mietwucher bei den TLG-Wohnungen - zu Recht?

Elgeti: Nein. Die Vorwürfe sind populistisch. Für eine börsennotierte Gesellschaft gilt schließlich das gleiche Mietrecht wie für alle anderen auch. Zudem sind die Mieten des TLG-Portfolios heute höher als im Durchschnitt unserer Gesellschaft.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH