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05.11.2012
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Inflation
Die Mär vom Schutz vor der Teuerung

Von Richard Haimann

Baustelle in Berlin: Die Preise für Eigentumswohnungen sind in den deutschen Großstädten in den letzten Jahren extrem angestiegen.
DPA

Baustelle in Berlin: Die Preise für Eigentumswohnungen sind in den deutschen Großstädten in den letzten Jahren extrem angestiegen.

Viele Anleger fürchten einen drastischen Anstieg der Inflation und flüchten mit ihrem Geld in Gold und Immobilien. Doch die Geschichte zeigt, dass weder das eine noch das andere tatsächlich Sicherheit bieten. Im Ernstfall bat immer der Staat die Eigentümer zur Kasse.

Hamburg - Herbst 1923 in Deutschland. Mit Schubkarren schieben Menschen Banknoten zum Bäcker, um einen Laib Brot zu erstehen. Das Porto für einen Brief kostet zehn Millionen Mark. Für einen US-Dollar müssen 42 Milliarden Mark gezahlt werden. Die Hyperinflation hat das Land in ihren Strudel gerissen. Der Wert des Geldes verfällt mit atemberaubender Geschwindigkeit. Am 26. Oktober jenes Jahres lässt die Reichsbank erstmals eine "500 Milliarden Mark"-Note drucken. Eine Woche später werden Geldscheine mit dem Aufdruck "5 Billionen Mark" aufgelegt.

Die Währungskrise der Weimarer Regierung ist bis heute das nationale Trauma der Deutschen. Jetzt wachsen wieder die Ängste vor einer neuen großen Teuerung. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) und die Notenbanken in Großbritannien, den USA und Japan intervenieren seit Beginn der Finanzkrise massiv an den Kapitalmärkten. Zunächst, um einen Absturz der Weltwirtschaft in eine tiefe Depression zu verhindern. Inzwischen auch, um die durch die Rettung der Banken hochverschuldeten Staaten zu stabilisieren.

"Sie sorgen durch den Kauf von Staatsanleihen dafür, dass die Zinslast für die Regierungen erträglich bleibt", sagt Christian Roch, Geschäftsführer des Investmentfondsanbieters RP Rheinische Portfolio Management. Faktisch würden die Notenbanken damit immer Geld drucken. Dies könne in den Wirtschaftskreislauf geraten und die Preise für Güter und Waren immer weiter in die Höhe treiben. "Die gigantische Ausweitung der Geldmenge gibt Inflationsängsten neue Nahrung", sagt Roch.

Diese Furcht lässt immer mehr Anleger in Gold Chart zeigen und Immobilien flüchten. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 hat sich der Dollar-Preis des glänzenden Edelmetalls mehr als verdoppelt. In Großstädten wie Berlin, Hamburg und München sind die Preise von Eigentumswohnungen in den vergangenen vier Jahren um zum Teil mehr als 50 Prozent gestiegen. Allein in den zurückliegenden zwölf Monaten verteuerten sich Wohnungen in guten Großstadtlagen nach einer neuen Studie der Maklerorganisation Immobilienverband Deutschland (IVD) um 9,1 Prozent.

Flucht in Sachwerte beunruhigt Experten

Die Flucht in die vermeintlich sicheren Sachwerte beunruhigt inzwischen immer mehr Experten. Maximilian Zimmer, Finanzchef des Allianz-Konzerns, sieht die Gefahr einer Blase am Wohnungsmarkt, aufgebläht "von Privatanlegern, die Inflation und einen Kollaps des Euro Chart zeigen fürchten und in Sachwerte flüchten". Für Professor Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung am IREBS-Institut der Universität Regensburg, trägt die Entwicklung längst Züge einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: "Immer mehr Anleger flüchten in Gold und Immobilien und sorgen so für eine inflationäre Preisentwicklung in diesen Marktsegmenten."

Schon bald könne den privaten Investoren ein böses Erwachen drohen, meint Sebastian. Er ist überzeugt: "Wir werden mit Sicherheit keine neue Hyperinflation erleben." Obwohl die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks seit vier Jahren immer wieder an den Kapitalmärkten intervenieren, sind die Teuerungsraten bislang nicht stärker gestiegen als in den Jahren vor der Finanzkrise.

Im Oktober betrug die Inflationsrate in Deutschland 2 Prozent, vermeldete jetzt das Statistische Bundesamt. Sie liegt damit deutlich niedriger als zu Zeiten der D-Mark. Von 1970 bis 1982 betrug die Teuerung in Deutschland im Schnitt mehr als 5 Prozent pro Jahr. Zu Beginn der 90er Jahre lag die Rate zwischen 3,7 und 5,1 Prozent.

Selbst wenn die Inflationsrate wieder auf das damalige Niveau klettern oder es sogar übersteigen würde: Anleger können nicht darauf vertrauen, dass Gold oder Immobilien ihnen einen Schutz für ihr Kapital bieten. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass beide Sachwerte höchst ungeeignet sind, um der Teuerung zu entgehen.

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Wenn der Staat zur Kasse bittet

Die Geschichte kennt einen Fall, in dem sich Immobilieneigentümer tatsächlich durch einen extremen Anstieg der Teuerung in kurzer Zeit von ihren Hypothekenkrediten befreien konnten. Während der deutschen Hyperinflation von 1923 verfiel der Wert der Mark binnen Monaten so stark, dass am Ende Kredite für ganze Miethausblöcke für den Preis eines Brötchens getilgt werden konnten.

Doch die Eigentümer hatten davon nichts. Denn 1924 führte die Regierung auf Vorschlag des Berliner Baustadtrates Martin Wagner die bis 1943 bestehende Hauszinssteuer ein. Die Steuer war so hoch, dass pro Jahr rund 850 Millionen neue Reichsmark an den Fiskus gingen. Das entsprach rund 20 Prozent der Steuereinnahmen aller Länder und Kommunen. Viele Eigentümer waren nicht in der Lage, die Steuer zu tragen. Dies führte zu einer Welle von Zwangsversteigerungen. Die vermeintlichen Krisengewinnern wurden am Ende auch zu Inflationsverlierern.









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