Freitag, 28. April 2017

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Besuch im Bundestag Mario Draghi, Schrecken aller Häuslebauer

In der Kritik: EZB-Präsident Draghi spricht heute vor dem Deutschen Bundestag

EZB-Präsident Draghi stellt sich heute im Bundestag der Kritik an seinem Plan, im großen Stil Anleihen kriselnder Länder zu kaufen. Was kaum beachtet wird: Die Aktion hat hierzulande auch Konsequenzen für Immobilienkäufer. Sie müssen sich auf steigende Kreditzinsen einstellen.

Hamburg - Für den Laien ist es nur ein unscheinbarer Huckel im Chart. Bei Fachleuten jedoch erregt die kleine Unebenheit größtes Aufsehen: Zwischen Anfang und Mitte September ging es mit den Zinsen für Baugeld kaum merklich nach oben und dann wieder runter. Die Kosten eines Darlehens mit zehn Jahren Laufzeit etwa stiegen vorübergehend um wenige Nach-Komma-Prozentpunkte, beinahe kaum erkennbar mit dem bloßen Auge.

Experten wie Stefan Gawarecki jedoch, Chef des Baugeldvermittlers Dr. Klein & Co., sehen darin ihre These bestätigt. Und die lautet: Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) tatsächlich beginnt, Anleihen von Spanien und Italien in größerem Umfang zu kaufen, dann läutet sie damit das vorläufige Ende des historisch günstigen Baugelds ein. Oder im Klartext: Die Hypothekenzinsen werden dann steigen.

Der Hintergrund: Im September hatte die EZB offiziell beschlossen, was ihr Präsident schon zuvor proklamiert hatte, nämlich die Rettung des Euro Börsen-Chart zeigen um jeden Preis. Die Zentralbank, so das Vorhaben, werde notfalls unbegrenzt Anleihen notleidender Staaten kaufen, um deren Finanzierungskosten zu drücken.

Die Baugeldzinsen, davon sind Experten wie Dr.-Klein-Chef Gawarecki überzeugt, reagierten darauf spontan mit jenem kaum merklichen Anstieg. Dass die Aufwärtsbewegung der Hypothekenkonditionen dann vorläufig wieder endete, liegt nach Meinung der Fachleute lediglich daran, dass die EZB ihrer Ankündigung bislang noch keine Taten folgen ließ.

Zinsanstieg aufgeschoben, nicht aufgehoben

Denn als Bedingung für den Ankauf sollen Staaten wie Spanien oder Italien harte Spar- und Reformauflagen der EZB, der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) akzeptieren. Und keiner der führenden Politiker in den Krisenländern ist bislang bereit, diesen Institutionen ein so weitgehendes Mitspracherecht in der eigenen Finanzpolitik einzuräumen.

Damit ist der Zinsanstieg nach Überzeugung Gawareckis jedoch nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. "Wir gehen nach wie vor von langfristig steigenden Zinsen aus, wenn die EZB erst einmal beginnt, im großen Stil Anleihen aufzukaufen", sagt der Dr.-Klein-Vorstand.

Ähnliches ist von anderen Marktteilnehmern zu hören. Michiel Goris etwa, Vorstandschef der Kreditplattform Interhyp, erwartet aufgrund der EZB-Politik ebenfalls steigende Zinsen. Und Marc Stilke, CEO von Immobilienscout24, sagt im Gespräch mit manager magazin online: "Ich rechne mit einem Anstieg der Baufinanzierungszinsen um zunächst 0,5 Prozentpunkte."

Zur Begründung ihrer Prognose geben die Fachleute verschiedene Zusammenhänge an. So refinanzieren sich die Hypothekenbanken zum Großteil über Pfandbriefe, deren Verzinsung wiederum mehr oder weniger im Gleichschritt mit deutschen Staatsanleihen laufe. Mit jedem Zentimeter, um den sich die EZB bei der Euro-Rettung weiter aus dem Fenster lehnt, steigt jedoch auch das Haftungsrisiko der Bundesrepublik Deutschland als größter Teilhaber der Zentralbank.

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