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21.09.2012
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Häuserboom
Immobilienaktien schlagen den Dax

Von Richard Haimann

Betongold: Die Kurse börsennotierter Immobilienunternehmen sind seit Jahresbeginn kräftig gestiegen
Corbis

Betongold: Die Kurse börsennotierter Immobilienunternehmen sind seit Jahresbeginn kräftig gestiegen

Der Betonboom wirkt sich auf die Börse aus: Die Kurse von Immobilienaktien sind im ersten Halbjahr stark gestiegen. Experten erwarten nun eine Atempause - für Anleger könnte das eine Gelegenheit zum Einstieg sein. Chancen bieten sich im Bürosektor und in Fernost.

Hamburg - Mit Immobilienaktien konnten Anlegern dieses Jahr deutlich höhere Gewinne einfahren als mit anderen Börsenwerten. Das zeigt eine Studie von Global Property Research (GPR). "Deutsche Immobilienaktien lieferten in den ersten acht Monaten des Jahres eine durchschnittliche Rendite von 29,4 Prozent", hat GPR-Analyst Jeroen Vreeker errechnet. Hingegen legte der Dax Chart zeigen in dieser Zeit nur um 16,7 Prozent zu.

Auch in etlichen anderen Ländern hatten die Betongoldwerte die Nase vorn: In den USA kam der Dow Jones Chart zeigen im Vergleichszeitraum nur auf ein Plus von 6,1 Prozent. Hingegen bescherten US-Immobilienaktien Anlegern einen durchschnittlichen Ertrag von 21,8 Prozent.

Experten bezweifeln aber, dass dieser Trend anhalten wird. Insbesondere in Europa und den USA hatten die Immobilienwerte auch deshalb so stark zugelegt, weil viele Investoren wegen der Euro-Krise in diese Papiere geflüchtet waren. Jetzt droht dieses Kapital wieder abzufließen.

"Die massiven Kapitalmarkt-Interventionen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank werden jetzt etliche Marktakteure diesseits und jenseits des Atlantiks veranlassen, aus defensiven Werten in zyklische Papiere umzuschichten", meint Helmut Kurz, Manager des E&G Fonds Global REITs der Privatbank Ellwanger & Geiger. "Die Börsenkurse europäischer und amerikanischer Immobilienwerte könnten deshalb fallen oder stagnieren."

Investoren wechseln von Wohn- zu Gewerbeimmobilienaktien

Damit könnten Anleger in nächster Zeit die Chance haben, wieder günstiger in Immobilienwerte einzusteigen. Denn mittelfristig würden die Kurse der Papiere wieder anziehen, ist Kurz überzeugt. "Das weltwirtschaftliche Umfeld ist alles andere als rosig." In Europa geraten immer mehr Staaten in die Rezession. Die USA ringen weiter mit der Konjunkturkrise und selbst in China wächst die Wirtschaft nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren.

Sobald sich an den Kapitalmärkten die Euphorie über die Interventionen der Zentralbanken gelegt habe, werde die Skepsis wiederkehren, meint Kurz. "Dann werden Investoren wieder aus zyklischen Werten in defensive Immobilientitel wechseln." Ähnlich sieht das Harm Meijer, Analyst bei J.P. Morgan Cazenove. "Investments in europäische Immobilienaktien werden kurzfristig riskanter." Mittelfristig würden die Papiere aber ihren Status als sicherer Hafen wiedererlangen.

In Deutschland haben Bianca Riemer, Bart Gysens und Christopher Fremantle von Morgan Stanley Reseach noch eine besondere Situation ausgemacht. Sie prognostizieren in ihrer jüngsten Studie, dass viele Investoren innerhalb der Branchenwerte umschichten werden. Raus aus Wohnungsaktien - rein in Gewerbeimmobilienpapiere laute die Devise, meint das Analystentrio. "Die guten Fundamentaldaten sind in den Aktienkursen deutscher Wohnungsunternehmen inzwischen voll eingepreist", so dass Investoren nun Gewinne mitnehmen würden, schreiben die Beobachter in ihrer Studie.

Profiinvestoren und viele Privatanleger hatten sich mit Macht auf Aktien von Wohnungskonzernen gestürzt, als die Euro-Krise immer mehr an Brisanz gewann. Sie sahen die Papiere als besonders sicheren Hafen an, weil deren Mieterträge bei einem Konjunkturabschwung nicht in Gefahr geraten. Das hat deren Kurse seit Jahresbeginn in der Spitze um mehr als 30 Prozent in die Höhe getrieben und die aus den Dividendenausschüttungen erzielbaren Renditen spiegelbildlich zusammenschmelzen lassen.

Hingegen sind die Notierungen der konjunkturabhängigen Gewerbeimmobilienunternehmen seit Jahresbeginn im Schnitt um weniger als 17 Prozent gestiegen.

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