Sonntag, 23. Juli 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Merkel in Spanien Im Süden nichts Neues

Preisrutsch, Leerstand, Kreditausfall: Die Immobilienkrise in Spanien
Fotos
SPIEGEL ONLINE

Wann endet die Immobilienkrise in Spanien? So lautet die Schicksalsfrage für das Land, das Kanzlerin Angela Merkel heute besucht. Noch sieht es nicht gut aus: Zwar senden die Märkte zaghafte Zeichen der Hoffnung, doch ihre Talfahrt ist noch nicht vorbei.

Hamburg - David Scheffler verströmt ein wenig Optimismus. Die Preise am spanischen Immobilienmarkt fallen zwar noch, so der Verkaufschef von Engel & Völkers in Spanien zu manager magazin online. Sie tun das aber mit deutlich verlangsamter Geschwindigkeit.

Nach Angaben des Fachmanns verläuft die Entwicklung zudem von Region zu Region unterschiedlich. "In Toplagen ist die Talsohle bereits durchschritten", so Scheffler. "Für Spitzenobjekte beobachten wir dort die ersten Preisanstiege."

Hinzu kommt nach Angaben des Marktkenners, dass die spanischen Banken inzwischen bei den Preisen für größere Immobilienportfolios nachgeben, weil sie vor dem Hintergrund zunehmender Eigenkapitalanforderungen Liquidität brauchen. Das wiederum rufe zunehmend ausländische Investoren auf den Plan, die Interesse am Kauf solcher Immobilienpakete haben.

Ähnliches ist vom weltgrößten Immobilienberater CB Richard Ellis (CBRE) zu hören. Die internationale Nachfrage nach spanischen Objekten steige wieder, sagte der madrilenische CBRE-Investmentchef Adolfo Ramirez-Escudero kürzlich der "FTD". Das Transaktionsvolumen habe sich binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt.

Banken zittern um Kredite in Billionen-Euro-Höhe

Die Äußerungen können dem Land, dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Donnerstag einen Besuch abstattet, ein wenig Hoffnung machen. Denn solange es am Immobilienmarkt bergab geht, dürfte auch der Rest Spaniens kaum wieder auf die Beine kommen. Das Platzen der Blase am Häusermarkt hatte das Land vor vier Jahren in seine schwere Krise gestürzt. Bis 2008 hatten sich die Preise innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Ähnlich wie in Irland und Großbritannien kam dann der Absturz.

Es folgte die Wirtschaftskrise, in deren Zentrum die kriselnden Banken stehen. Hypothekendarlehen in Billionen-Euro-Höhe, die die Institute im Aufschwung ausgereicht haben, lasten heute auf ihren Bilanzen. Zuletzt verlangte die Regierung von den Geldhäusern, die Risikovorsorge auf 190 Milliarden Euro zu erhöhen. Zudem stützt die Euro-Gruppe über den Rettungsschirm EFSF die spanischen Banken seit diesem Sommer mit einer Kreditlinie von 100 Milliarden Euro.

Damit aber nicht genug: Auch der Bausektor geriet durch den Einbruch am Immobilienmarkt in die Bredouille. Bis zum Höhepunkt des Booms waren die Baufirmen zu einer der Stützen der spanischen Wirtschaft herangewachsen. Heute ist ihre Misere mit ausschlaggebend für die hohe Arbeitslosigkeit des Landes. Bis auf etwa 25 Prozent ist die Quote bereits in die Höhe geschnellt. Jeder zweite Spanier unter 25 Jahren ist inzwischen ohne Job.

Hinzu kommen die drastischen Sparmaßnahmen, mit denen Ministerpräsident Mariano Rajoy die Finanzmärkte zu besänftigen versucht. Ähnlich wie Portugal und Italien muss auch Spanien hohe Zinsen für seine Anleihen zahlen. Durch die Einschnitte bremst Rajoy den Konsum zusätzlich, was weitere Branchen in die Krise zieht.

Die Folge: Von einem Wachstum wie früher ist keine Rede mehr. Jahrelang expandierte Spaniens Wirtschaft im Schnitt um deutlich mehr als 2 Prozent - nun geht es in die andere Richtung. In diesem Jahr etwa rechnen die Experten von Feri EuroRating Services mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH