Donnerstag, 24. August 2017

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Riskanter Immobilienboom Schlaflose Männer, weinende Gattinnen

Verzweiflung pur: Viele Anleger dürften den Kauf ihrer Immobilie noch bereuen

Anleger stürzen sich auf Immobilien, weil sie sich dort die Sicherheit für ihr Geld erhoffen, die sie anderswo nicht mehr finden. Doch Vorsicht: Der Immobilienboom erreicht eine kritische Phase. Und Möglichkeiten, sich mit dem Investment eine blutige Nase zu holen, gibt es reichlich.

Hamburg - Mindestens einmal im Monat spielt sich im Büro von Hannes Peterreins ein Drama ab. Dann sitzt ihm ein gestandenes Mannsbild gegenüber und erzählt von schlaflosen Nächten, während daneben die Gattin Tränen vergießt. Das Thema, sagt der Vermögensverwalter aus München, ist dann immer das gleiche: Es geht um Vermögensverluste, um finanzielle Desaster - ausgelöst durch kreditfinanzierte Immobilienkäufe.

"Wenn jemand sagt, Immobilien seien sicher, dann kann ich nur lachen", lautet deshalb Peterreins' Urteil. "Es gibt dort ebenso Risiken wie auch bei anderen Geldanlagen - wenn nicht noch mehr."

Die Worte des Investmentprofis klingen wie ein Weckruf. Denn Deutschland träumt offenbar flächendeckend den Traum von der sicheren Geldanlage in Immobilien. Immer mehr Geld stecken Anleger ins "Betongold".

Die Motive der Investoren sind klar: Sie glauben, den Unwägbarkeiten der Kapitalmärkte ausweichen zu können. Stichworte: Euro-Schuldenkrise und unsichere Konjunkturaussichten. Und sie glauben ein Mittel gefunden zu haben gegen das vermeintlich schlimmste Übel, das dem Vermögen drohen kann: die Inflation.

Preise kennen nur eine Richtung: nach oben

Zugleich locken Banken nicht eben mit attraktiver Verzinsung - es sei denn, es ginge um einen Immobilienkredit. Die Hypothekenzinsen bewegen sich seit Monaten auf historisch niedrigem Niveau. Auch das befeuert den Immobilienboom.

Was viele Investoren jedoch offenbar ausblenden: Mit dem Verlauf des Hypes steigen von Tag zu Tag auch die Risiken. Und Ereignisse, die die Rechnung der Anleger durchkreuzen können, sind viele denkbar.

Zum Beispiel bei der Wertentwicklung der Objekte: Vor allem in Metropolen sind die Immobilienpreise bereits beträchtlich angestiegen. Erst diese Woche meldete die Baufi-Plattform Europace einen neuen Höchstwert für ihren Hauspreisindex. Vor allem Eigentumswohnungen verteuerten sich erneut deutlich, so Europace. Aber auch die Preise für Einfamilienhäuser stiegen weiter an.

Gleiches beobachtet die Vermittlungsplattform Immobilienscout24. "Die derzeitige Entwicklung der Angebotspreise für Wohnimmobilien kennt in den meisten Regionen nur eine Richtung", so Michael Kiefer, Leiter der Immobilienbewertung: "nach oben."

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