Sonntag, 28. August 2016

Rekordpreise Reiche stecken Milliarden in Luxusimmobilien

Teure Adressen: Die teuersten Wohnlagen Deutschlands
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Engel & Völkers

Von der Reetdachvilla auf Sylt bis zum feudalen Anwesen am Starnberger See - mitten in der Euro-Schuldenkrise fließen bundesweit Milliardensummen in Luxusimmobilien. Reiche Käufer zahlen Rekordpreise und brauchen oft nicht einmal einen Bankkredit. Ein Ende des Hypes ist nicht abzusehen.

Hamburg - Der Millionär, so scheint es, kauft kaum etwas so gerne wie eine Immobilie. Die Nachfrage nach Luxusvillen und Penthäusern im hochpreisigen Segment jedenfalls ist deutschlandweit groß, berichten Marktteilnehmer. Und das Angebot gering. Denn wer im derzeitigen Umfeld erst einmal ein Objekt besitzt, der hat mit dem Verkauf in der Regel keine Eile.

Die Folge ist ein inzwischen seit mehreren Jahren anhaltender Anstieg der Preise. Nach Angaben des Maklerunternehmens Engel & Völkers (E & V) sind die Preise für Luxuswohnimmobilien seit 2009 in der Spitze um bis zu 60 Prozent gestiegen. Das Preisniveau, das derzeit erreicht wird, so E & V, hat es in Deutschland noch nicht gegeben.

Das Unternehmen hat das Segment mit Kaufpreisen jenseits von 750.000 Euro oder 5000 Euro pro Quadratmeter eingehend untersucht. Ein kleiner aber feiner Markt, in dem allein 2011 laut E & V mit etwa 2000 Immobilien rund 3,1 Milliarden Euro umgesetzt wurden. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das ein Plus von etwa 10 Prozent. Zum Vergleich: Insgesamt betrug das Umsatzvolumen mit Wohnimmobilien im vergangenen Jahr rund 73 Milliarden Euro, so E & V.

Das wichtigste Ergebnis der Analyse lautet jedoch: 2010 und 2011 sind Luxusobjekte noch einmal deutlich teurer geworden. Sei es in Großstädten wie München, Hamburg oder Berlin, sei es in kleineren Orten wie Konstanz oder Baden-Baden, oder sei es in den beliebten Ferienregionen an Nord- und Ostsee sowie an den bayerischen Binnengewässern - bundesweit werden neue Rekordmarken gesetzt.

Berlin holt auf

Andere Marktteilnehmer bestätigen das. In einem aktuellen Bericht des Nobelmaklers Dahler & Company zum Geschehen in Hamburg etwa heißt es, die Nachfrage im oberen Preissegment sei 2011 nochmals gestiegen. Die Zahl der verkauften Objekte jenseits der 500.000-Euro-Marke sei um fast 30 Prozent nach oben gegangen, schreibt das Unternehmen. Bei den besonders gefragten Eigentumswohnungen betrug das Plus sogar mehr als 76 Prozent. Insgesamt, so Dahler & Company, wurden 2011 in Hamburg mit Luxusobjekten 825 Millionen Euro umgesetzt - fast 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Preissteigerungen gab es laut Dahler & Company vor allem bei Häusern und Villen im Westen der Hansestadt, in den Toplagen der Elbvororte. Dort wechseln Objekte inzwischen für bis zu acht Millionen Euro den Besitzer.

Engel & Völkers berichtet zudem von einer besonders dynamischen Entwicklung in Berlin. Das Preisniveau dort hinkte dem in anderen Metropolen jahrelang hinterher - jetzt holt die Hauptstadt auf. Noch vor drei bis vier Jahren kostete der Quadratmeter im Berliner Topsegment kaum mehr als 5000 Euro, so E & V. Inzwischen seien es bis zu 15.000 Euro. Der Aufschwung kommt nicht von ungefähr, sagt E & V-Vorstand Kai Enders. Anders als in anderen deutschen Großstädten seien in Berlin auch viele ausländische Käufer aktiv, aus Skandinavien und Großbritannien, aber auch aus Spanien oder Griechenland, von wo krisenbedingt viel Geld ins Ausland drängt.

Damit spiegelt sich im Luxussegment, was auch im breiten Markt für Wohnimmobilien bundesweit zu beobachten ist: Eine große Nachfrage trifft seit zwei bis drei Jahren auf ein immer knapper werdendes Angebot und treibt die Preise in bislang nicht da gewesene Höhen. Angeheizt wird der Hype offenbar durch die Furcht vieler Anleger, in den Turbulenzen auf den Finanzmärkten Vermögenseinbußen zu erleiden. Stichwort: Euro-Schuldenkrise. Das niedrige Zinsniveau macht Alternativanlagen unattraktiv. Zudem ermöglicht es, die Immobilie als vermeintlich verlässliches Anlagegut günstig zu finanzieren.

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