Mittwoch, 16. Januar 2019

Immobilienkauf Vorsicht, Falle!

Häuslebauer, aufgepasst: So können die Kosten explodieren
Corbis

Die Hypothekenzinsen haben ein historisches Tief erreicht: Kurzlaufendes Baugeld gibt es nach Berücksichtigung der Inflation praktisch kostenlos - zumindest für Käufer mit ausreichend Eigenkapital. Experten warnen jedoch vor steigenden Risiken und Kostenfallen.

Hamburg - Die PR-Strategen der Immobilienfinanzierer überschlagen sich. "Baugeld auf Rekordtief", "Häuslebauer erhalten Kredite fast umsonst" oder "Niedriges Zinsniveau macht Baufinanzierungen auch für eigenkapitalschwächere Erwerber attraktiv", so jubeln sie in den Überschriften ihrer Pressemitteilungen.

Tatsächlich hat es so günstige Hypothekenkonditionen wie zurzeit hierzulande seit Jahrzehnten nicht gegeben, wenn überhaupt jemals. Wer ein Darlehen mit fünfjähriger Laufzeit aufnimmt, zahlt dafür unter bestimmten Umständen weniger als 2 Prozent Zinsen. Auf dem Niveau bewegt sich bekanntlich auch die Inflationsrate zurzeit - das Baugeld gibt es also praktisch kostenlos.

Zu solchen Kurzläufern greifen aber wohl die wenigsten. Schließlich wollen sich Immobilienkäufer und Bauherren die historisch günstigen Konditionen möglichst lange sichern. Und auch Darlehen mit längerer Laufzeit sind preiswert.

Kredite mit zehnjähriger Laufzeit etwa gibt es bereits mit einem Zinssatz ab 2,5 Prozent. "Für einen 100.000-Euro-Kredit müssen Immobilienkäufer heute im Vergleich zu 2002 rund 30.000 Euro weniger Zinsen zahlen", sagt Manfred Hölscher, Leiter des Bielefelder Baugeldvermittlers Enderlein.

15-Jahres-Kredit für weniger als 3 Prozent

Und Michiel Gorris, Chef des Hypothekenvermittlers Interhyp, rechnet vor: "Für 1000 Euro im Monat bekommen Darlehensnehmer heute so viel Kredit wie nie zuvor. "Bis zu 300.000 Euro Darlehen seien möglich, bei Vollfinanzierung, ein Prozent Tilgung und zehnjähriger Sollzinsbindung. "Das sind Traumkonditionen für Kreditnehmer, mit wenig Spielraum nach unten, aber viel nach oben", so Gorris. "Der langjährige Durchschnitt der Zinsen liegt mehr als doppelt so hoch."

Auch Darlehen mit längeren Zinsbindungen von 15 oder 20 Jahren haben sich nochmals verbilligt. Bei Baugeldmaklern wie Enderlein oder Interhyp können sie inzwischen zu unter 3 Prozent aufgenommen werden.

Als Grund für das Zinstief nennen die Experten die Entwicklung am Anleihemarkt. Dort hat der Run der Investoren auf die Papiere der Bundesrepublik sowie auf Pfandbriefe, mit denen sich die Immobilienbanken refinanzieren, die Renditen in den Keller getrieben. Die DGZF-Rendite etwa, die die Entwicklung der Pfandbriefe der Dekabank und der Landesbanken anzeigt, sei für zehnjährige Laufzeiten erstmals unter 2 Prozent gefallen, heißt es bei Interhyp. Das sei der niedrigste Wert seit 1980.

Die Immobiliennachfrage in Deutschland dürfte diese Entwicklung weiter antreiben. Ohnehin drängen seit Monaten Investoren auf der Suche nach sicheren Anlagen auf den Immobilienmarkt, erwerben Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser oder gleich ganze Mietskasernen. Vor allem in Metropolen wie München oder Hamburg hat das die Quadratmeterpreise stellenweise bereits erheblich angeheizt.

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