Samstag, 26. Mai 2018

Nach der Liquiditätskrise Immobilienfonds wollen neu durchstarten

Deka-Investitions-Standort Prag: Die offenen Immobilienfonds wollen die Krise hinter sich lassen

2. Teil: Wichtig ist die Vertriebskraft

Auch Steffen Sebastian, der einen Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung an der International Real Estate Business School (IREBS) der Uni Regensburg hat, sagt: "Offene Immobilienfonds sind nach wie vor ein gutes Produkt. Allerdings haben sie durch die Ereignisse der vergangenen Jahre an Ansehen verloren, was zum Teil auch selbst verschuldet war."

Sebastian sieht vor allem bei den Vertriebspartnern der Fondsanbieter eine Mitschuld, denn die hätten nicht ausreichend vor den Risiken der Anlageklasse gewarnt. Insbesondere auf die Möglichkeit, dass ein Fonds geschlossen werden könne, sei zum Teil nicht hingewiesen worden.

Das Argument wiegt schwer, denn die Vertriebspower eines Anbieters gilt unter Fachleuten inzwischen als eines der wesentlichen Erfolgskriterien. Auch ein Blick auf die Liste der nach der Krise verbleibenden Fonds lässt diesen Schluss zu: Im wesentlichen bieten nur noch die Sparkassen, die Genossenschaftsbanken, die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen sowie die Commerzbank Börsen-Chart zeigen Publikumsfonds an. Ausschließlich vertriebsstarke Finanzhäuser also.

"Stetige Mittelzuflüsse erleichtern das Management", erläutert Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer des Marktführers Deka Immobilien und der WestInvest. "Deshalb ist ein starker Vertrieb hilfreich."

Nähe zum Anleger

Der Absatz über das Filialnetz der Sparkassen hat besondere Vorteile, so Knapmeyer. Denn die Berater vor Ort können den Anlegern die jeweilige Situation der Fonds- und Immobilienmärkte "jederzeit ausreichend" erklären.

Zum Hintergrund: Seit 2006 trennt die Deka-Gruppe die Gelder von institutionellen und privaten Anlegern und leitet sie in verschiedene Produkte. In den Publikumsfonds des Hauses befinden sich zu über 90 Prozent Privatanleger. Zum Beispiel im "Deka ImmobilienEuropa" also, dem mit rund elf Milliarden Euro größten Vertreter seiner Art hierzulande.

Zudem steuert die DekaBank Mittelzuflüsse durch die Zuteilung von Kontigenten. Und sie hält einen hohen Liquiditätsanteil. "Dabei nehmen wir die dämpfende Wirkung auf die Performance bewusst in Kauf", sagt Knapmeyer.

Der Erfolg gibt ihm Recht: Mit Renditen zwischen 2 und 2,7 Prozent lagen die offenen Fonds mit den Labels Deka und WestInvest nach Angaben des Anbieters 2011 über dem Schnitt aller Produkte.

Doch nicht nur der starke Vertrieb soll künftig dabei helfen, Liquiditätskrisen wie die jüngste zu verhindern. Zudem wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert.

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