Samstag, 26. Mai 2018

Liquiditätsnot SEB löst milliardenschweren Immobilienfonds auf

Dunkle Wolken über Frankfurt: Der Immobilienfonds von SEB ist am Ende

Das war befürchtet worden: Auch der Immobilienfonds SEB Immoinvest wird aufgelöst. Betroffen sind 350.000 Investoren, die mehr als sechs Milliarden Euro eingezahlt hatten. Eine weitere Hiobsbotschaft könnte die Branche in den kommenden Tagen erreichen.  

Frankfurt am Main - Der milliardenschwere offene Immobilienfonds SEB Immoinvest wird abgewickelt. Die verfügbare Liquidität des Fonds habe bei weitem nicht ausgereicht, um alle Wünsche nach Anteilrückgaben befriedigen zu können, teilte die SEB Asset Management am Montagnachmittag mit: "Mit Blick auf die Gleichbehandlung aller Anleger wird somit das Fondsmanagement keine Order ausführen und in Abstimmung mit der Bafin den Fonds bis zum 30. April 2017 auflösen."

"Ich bedaure dies sehr", sagte Barbara Knoflach, Vorstandsvorsitzende der SEB Asset Management. Der Fonds hatte die Rücknahme der Anteilsscheine bereits seit rund zwei Jahren ausgesetzt und war am heutigen Montag nur für wenige Stunden geöffnet worden, um die Liquiditätslage zu sondieren. Offenbar gab es einen großen Ansturm der Anleger. Noch vor wenigen Tagen hatte die SEB informiert, dass der Fonds inzwischen über einen Liquiditätsanteil von mehr als 30 Prozent verfüge. Doch selbst das reichte nicht aus. Die Rückgabewünsche überstiegen die Bruttoliquidität von etwa 30 Prozent des Fondsvermögens deutlich, erklärte SEB.

In dem Fonds mit einem Volumen von rund 6,3 Milliarden Euro sind rund 350.000 Kleinanleger investiert. Rund 92 Prozent der Gelder stammen von Privatanlegern. Dachfonds und institutionelle Anleger halten jeweils 4 Prozent.

Die Investoren sollen nun im Juni 2012 eine erste Auszahlung in Höhe von etwa 20 Prozent des Fondsvermögens bekommen. Danach sind nach den Angaben halbjährliche Auszahlungen vorgesehen, deren Höhe sich an den jeweiligen Immobilienverkäufen orientiert.

Schlechte Vorzeichen für CS Euroreal

Mit dem ImmoInvest fordert die Krise der offenen Immobilienfonds in Deutschland ihr bislang größtes Opfer. Ein knappes Dutzend Fonds befindet sich derzeit bereits in Abwicklung. Viele dieser Fonds waren in der Finanzkrise in Schieflage geraten, weil Großanleger damals auf einen Schlag Milliardensummen abzogen. Die Fonds machten daraufhin die Schotten dicht und nahmen keine Anteilsscheine mehr zurück.

Auf der Strecke blieben oftmals die Kleinsparer, die nicht schnell genug reagieren konnten. Die Branche hat sich bis heute nicht erholt. Beim SEB ImmoInvest endete die maximale Schließungsfrist Anfang Mai. Hätte die Liquidität gereicht, alle Rückgabewünsche locker zu bedienen, wäre der Fonds mit einem neuen Regelwerk durchgestartet, das die gesetzliche Neuregelung der Branche bereits vorwegnimmt: Anleger hätten dann nur noch einmal im Jahr ihre Anteile zurückgeben können, und zwar im März.

Anleger des SEB ImmoInvest haben nun vor allem drei Handlungsalternativen. Sie können ihre Anteile halten und hoffen, dass der Fonds bei Abwicklung die Immobilien zu den jeweiligen Verkehrswerten verkaufen kann. Sie können ihre Anteile am Zweitmarkt verkaufen, wobei sie allerdings einen Abschlag von zurzeit etwa 30 Prozent in Kauf nehmen müssen. Oder sie können vor Gericht ziehen und auf Schadensersatz klagen. Grundlage dafür könnten eine mögliche Falschberatung oder eventuell fehlerhafte Angaben im Prospekt sein, sagt der Hamburger Fachanwalt Peter Hahn .

Für einen weiteren offenen Immobilienfonds, der derzeit keine Anteilsscheine zurücknimmt, dürfte das Aus des SEB-Fonds jedenfalls eine denkbar schlechte Vorgabe sein: Auch der CS Euroreal von der Credit Suisse muss in den kommenden Tagen Farbe bekennen und entscheiden, ob die Anteile künftig wieder eingelöst werden, oder ob der Fonds ebenfalls aufgelöst wird.

Nach Auffassung von Anwalt Hahn ist auch beim CS Euroreal von einer Abwicklung auszugehen. "Betroffene Anleger müssen sich in jedem Fall auf Verluste einstellen", sagt er. "Es sei denn, sie können Schadensersatzansprüche erfolgreich durchsetzen." Das Management des CS Euroreal wollte sich am Montag nicht zur Sache äußern.

cr/dpa/rtr

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