Samstag, 16. Februar 2019

Immobilienfinanzierung Assekuranz lockt mit niedrigsten Bauzinsen

In Toplagen sind die Preise für Wohnimmobilien stark angezogen, anderswo fällt der Preisanstieg moderat aus. Versicherer bieten jetzt besonders günstige Finanzierungen. Dafür haben sie gute Gründe

Wer jetzt seine eigenen vier Wände finanziert, profitiert von den niedrigsten Bauzinsen seit Jahrzehnten. Dabei drängen zusehends Versicherer in den Markt und attackieren die Banken mit Kampfkonditionen.

Hamburg - Max Herbst ist ein Mann der Zahlen und des Geldes. Seit Jahrzehnten analysiert seine unabhängige FMH-Finanzberatung den Markt unter anderem für Spar- und Kreditzinsen. Beim Thema Baufinanzierung kommt aber selbst Herbst manchmal noch ins Staunen: "Im Vergleich zu Mitte der 90er Jahre sind das fast paradiesische Konditionen." Baudarlehen mit einem Festzins knapp über 3 Prozent auf 20 Jahre sind heute durchaus drin und damit nur noch halb so teuer wie vor gut 15 Jahren.

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise hat also auch ihre guten Seiten. Zumindest für Bauwillige und Immobilienkäufer. Während sie ihr Traumhaus oder ihre Traumwohnung zu günstigsten Konditionen seit vielen Jahren finanzieren können, wissen auf der anderen Seite Investoren wegen Niedrigzinsen und Zitterbörsen kaum noch wohin mit ihrem Geld.

Kein Wunder, dass private und institutionelle Investoren angesichts steigender Mieten immer stärker in Immobilien investieren. Sie gelten als klassischer Sachwert und inflationssichere Anlage.

Freilich, der Markt preist die günstigen Finanzierungskonditionen und die steigende Nachfrage insbesondere in attraktiven Wohnlagen mancher Großstädte sofort ein, so dass mancherorts schon von Blasenbildung die Rede ist. Dies ist aber nicht die Regel. "Außerhalb dieser heißgelaufenen Viertel bekommen Sie noch vergleichsweise viel und guten Wohnraum zu angemessenen Preisen", sagt Herbst.

Bauzinsen werden vorerst niedrig bleiben

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt insgesamt gilt im internationalen Vergleich als stabil. Er machte in der Vergangenheit nicht über horrende Preisanstiege von sich reden. Darauf verweisen auch die Preisindizes des Verbands deutscher Pfandbriefbanken für Wohnungen und Eigenheime, die in den der letzten Dekade lediglich um rund 10 Prozent gestiegen sind.

Wann die Europäische Zentralbank ihre Politik des billigen Geldes aufgeben und die Leitzinsen wieder anheben wird, ließ sie bis zuletzt offen. Beobachter spekulieren angesichts der Rezessionsgefahr sogar auf eine erneute Zinssenkung durch die EZB.

Baugeldvermittler wie Dr. Klein rechnen auf mittlere Sicht von zwölf Monaten mit stabilen Hypothekenzinsen. Dass die Zinsen dauerhaft so niedrig bleiben, gilt aber als unwahrscheinlich.

"Die Zinskonditionen liegen nach wie vor auf einem historisch niedrigen Niveau. Selten war es für Baufinanzierende günstiger, die eigenen vier Wände zu finanzieren. Wer Planungs- und Zinssicherheit wünscht, sollte sich die niedrigen Zinsen jetzt möglichst langfristig sichern", rät daher unter anderem die Allianz Lebensversicherung, die Laufzeiten von bis zu 25 Jahren anbietet.

Der Hinweis kommt nicht von ungefähr. Statt das Geld ihrer Kunden in unsichere oder unrentable (Staats)Anleihen zu investieren, dringen Versicherer mit attraktiven Konditionen immer stärker in den Markt der Baufinanzierung vor und machen den etablierten Kreditinstituten das Leben schwer. "Die Offerten der Versicherer im Privatkundenbereich stehen in scharfer Konkurrenz zu den Angeboten etablierter Banken", sagt Stephan Gawarecki, Vorstandsprecher des Kreditvermittlers Dr. Klein. Einzelne Versicherer hätten ihr Engagement in dem Bereich um mehr als die Hälfte ausgebaut. Dabei setzen sie vor allem auf Darlehen mit langfristiger Zinsbindung, weil Lebensversicherer analog zu ihren langfristigen Leistungsversprechen das Geld der Kunden langfristig investieren.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung