Dienstag, 19. März 2019

Wechselkurschance Mit Schweizer Geld günstig zum Eigenheim

Schweizer Fahne am Brienzer See: Immobilienfinanzierungen mit Franken bieten Chancen

Für Immobilienkäufer bietet sich zurzeit eine Finanzierung in Schweizer Franken an. So lassen sich nicht nur die Kosten drastisch senken, es besteht auch die Aussicht, die Schuldsumme zu reduzieren. Die nötige Wende am Devisenmarkt sehen Experten bereits kommen.

Hamburg - Die Schlacht beginnt am Gründonnerstag um 11.41 Uhr. In einer konzertierten Aktion versuchen mehrere Hedgefonds die vorösterliche Ruhe im Devisenhandel zu nutzen, um den Schweizer Franken über den von der Nationalbank in Bern festgesetzten Mindestkurs von 120 Rappen pro Euro zu puschen. Erfolglos.

Zwar fällt der Euro Börsen-Chart zeigen für wenige Sekunden knapp unter die Marke von 1,20 Franken. Dann aber feuern die eidgenössischen Währungshüter aus vollen Rohren zurück. Sie werfen massiv Franken auf die Märkte, kaufen dafür die Gemeinschaftswährung. Um 11.46 Uhr ist der Spuk vorbei. Der Euro notiert wieder deutlich über dem Mindestkurs und steigt am Nachmittag sogar bis auf 1,204 Franken. Die Attacke ist abgewehrt.

"Die Schweizer Nationalbank hat eindrucksvoll gezeigt, dass sie in der Lage ist, den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro zu verteidigen", analysiert Arnim E. Kogge, Leiter Private Banking beim Bankhaus Ellwanger & Geiger. Damit wollen die Zentralbanker in Bern Währungseinbußen Schweizer Unternehmen beim Export in die Euro-Zone begrenzen.

Zugleich eröffnen sie damit aber auch Chancen für Eigenheimerwerber in Deutschland: "Die Hypothekenzinsen in der Schweiz sind extrem niedrig und der Franken ist massiv überbewertet", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

Experte sieht Euro Ende 2012 bei 1,40 CHF

Zwar ist in den vergangenen Jahren in Deutschland Baugeld sehr billig geworden. Doch mit Franken-Darlehen können Käufer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen ihre Finanzierungskosten noch einmal um rund 45 Prozent senken. Während der durchschnittliche Zinssatz für zehnjährige Immobilienkredite in Deutschland nach Angaben des Verbraucherfinanzportals Biallo derzeit 2,94 Prozent beträgt, gibt es Frankenkredite für weniger als 1,61 Prozent.

Darüber hinaus bieten Darlehen in Alpenwährung noch einen weiteren Vorteil: Wertet der Euro gegenüber dem Franken auf, sinkt auch die effektiv in der europäischen Gemeinschaftswährung zu tilgende Schuldsumme. Dies könne schon bald geschehen, meint Hellmeyer. "Sobald die Akteure an den Kapitalmärkten von der Wirkung der Sparpakete und Rettungsschirme in der Eurozone überzeugt sind, werden sie mit ihrem Kapital wieder aus dem Franken in den Euro wechseln."

Bereits Ende dieses Jahres könnte der Euro wieder bei 1,40 Franken stehen, prognostiziert der Ökonom. Bei einem jetzt in Franken aufgenommenen Darlehen über 100.000 Euro würde dann die effektiv zu tilgende Schuldsumme auf nur 83.333 Euro schrumpfen.

Am einfachsten gelangen Eigenheimerwerber in Baden-Württemberg an Franken-Darlehen. Wegen der Nähe zur Schweiz haben dort zahlreiche Sparkassen und Volksbanken diese Kredite im Programm. Bei der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden gibt es Baufinanzierungen in der Alpenwährung aktuell zu einem Effektivzinssatz von 1,56 Prozent. Allerdings bieten die Institute im Ländle Franken-Finanzierungen nur Kunden aus ihrer Region an. "Wir finanzieren keine Objekte außerhalb unseres Geschäftsgebiets", sagt eine Sprecherin der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden.

In anderen Bundesländern tun sich viele Banken schwer mit der Fremdwährungsfinanzierung. "Zu beratungsintensiv" sei das Geschäft, winken viele Institute ab.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung