Dienstag, 19. März 2019

Immobilienfonds Suche nach Nachfolger drängt

Immobilien: Fonds stecken in der Krise

Offene Immobilienfonds galten einst als Hort der Stabilität. Doch das ist Geschichte, zuletzt musste der SEB Immoinvest erklären, nur für einen Tag öffnen zu können. Die Finanzindustrie steht unter Druck.

Hamburg - Die Nachricht bringt es auf den Punkt: Der SEB Immoinvest Börsen-Chart zeigen soll am Montag, den 7. Mai, nach knapp zwei Jahren der Schließung geöffnet werden - aber nur für einen Tag, schreibt das Unternehmen. Es droht die Abwicklung. Dabei waren Immobilienfonds lange ein Sorglosprodukt. Doch es kam die Finanzkrise, die Zweifel und die Flucht der Anleger. Und so sinnt die Finanzindustrie auf Abhilfe, die Anleger parallel nach Alternativen, während sie den herkömmlichen Immobilienfonds den Rücken drehen.

Freilich, in der Summe verbucht der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) im angelaufenen Jahr 2012 Zuflüsse in diese Anlageform, immerhin knapp 996 Millionen Euro. Doch dieses Plus kommt nur zustande, weil die vertriebstarken Banken wie vor allem die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken dafür sorgen, dass die Fonds der Töchter mit steten Zuflüssen versehen werden. Kein Wunder, ist doch das Interesse an der Immobilie in Deutschland ungebrochen.

51 Prozent des deutschen Vermögens sei in Immobilien angelegt, schreibt zum Beispiel Steffen Sebastian von der Universität Regensburg in einem Artikel. Und die Privathaushalte hätten 3,7 Billionen Euro in Immobilien gehortet. Viel Geld, das nach einem neuen Zuhause sucht, in welcher Form auch immer?

Zumindest Anfänge dessen beobachtet Thomas Hartauer von der Fondsboutique Lacuna. "Das Interesse in Deutschland an Immobilien-AGs und Reits nimmt spürbar zu." Vor allem sind es Anlageprofis, die umdenken. "Die Nachfrage kommt ausschließlich von institutioneller Seite, Privatinvestoren spielen dort aktuell keine Rolle." So ohne weiteres lassen sich die offenen Immobilienfonds allerdings nicht ersetzen. Entsprechend konstatiert Hartauer: "Wir sehen bei vielen Investoren aber nach wie vor ein großes Wissensdefizit, was Reits angeht - beispielsweise hinsichtlich der unterschiedlichen rechtlichen Struktur. So ist den wenigsten bekannt, dass Reits in Deutschland nicht in Bestandswohnimmobilien investieren dürfen, US-Reits dagegen dürfen und tun das auch."

So manchem scheint die Krise der klassischen Immobilienfonds wie gerufen zu kommen. Corrado Russo zum Beispiel, der mit Timbercreek eben Immobilienfonds der anderen Art anbietet. Sie investieren vor allem in kanadische Wohnimmobilien oder auch in Hypotheken, nicht aber in Büro- oder Gewerbeimmobilien wie die üblichen Fonds. Das schafft Abstand. "Die betroffenen Immobilienfonds haben inzwischen Probleme, ihre Immobilien zu verkaufen", sagt Russo. "Das erhöht den Druck, und das ist gut für uns. Denn inzwischen reagieren die potentiellen Kunden sehr interessiert." Doch Interessieren ist nicht gleichbedeutend mit Investieren. Und noch ein anderer Punkt macht die Suche nach der Alternative nicht einfacher.

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