Von Martin Hintze
Hamburg - Professionelle Immobilieninvestoren zieht es auch in diesem Jahr vornehmlich nach Berlin. Das Interesse an Häusern und Wohnungen in der Bundeshauptstadt ist fast doppelt so groß wie in München, Hamburg oder Düsseldorf. Das ist ein Ergebnis des Immobilien-Trendbarometers der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, das am Dienstag vorgestellt wurde.
"Trotz deutlich gestiegener Preise ist ein Investment - von einzelnen Übertreibungen abgesehen - noch attraktiv", sagt Christian Schulz-Wulkow, Partner bei der Ernst & Young Real Estate. Vor allem in zentralen Lagen sei mit einem weiteren Anstieg der Mieten zu rechnen. Für die ungebrochen starke Nachfrage werden laut der Umfrage der Wirtschaftsprüfer vor allem Family Offices, institutionelle Investoren, landeseigene und börsennotierte Wohnungsunternehmen sowie ausländische Käufer sorgen.
Seit Jahren gilt Berlin als die Boom-Stadt für Immobilieninvestments in Deutschland. Seit 2007 sind die Mietpreise um 30 Prozent gestiegen. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen verteuerten sich nach Angaben des Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL) um 45 Prozent.
Andere Studien kommen auf noch höhere Werte. So geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sogar von einer Steigerung von 73 Prozent in den vergangenen fünf Jahren aus. Das Portal Immobilienscout24 registrierte allein im Dezember einen Kaufpreisanstieg von knapp 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Berlin kurbelt Neubauprojekte an
"Gerade für Ausländer ist Berlin ein Anziehungspunkt", sagt Helge Scheunemann, Research-Leiter bei JLL Deutschland. "Hinzu kommt, dass es hier ein großes Angebot gibt und die Miet- und Kaufpreise im nationalen und erst recht im internationalen Vergleich immer noch relativ günstig sind", so Scheunemann.
Allein im vergangenen Jahr wechselten Wohnungsportfolios im Volumen von 1,7 Milliarden Euro den Besitzer. Damit liegt Berlin mit großem Abstand vor anderen deutschen Top-Standorten wie Hamburg (375 Millionen Euro), München (290 Millionen Euro) und dem Ruhrgebiet (270 Millionen). Deutschlandweit lag das Transaktionsvolumen laut JLL bei 11,1 Milliarden Euro.
Die erheblich gestiegenen Mietpreise sind bereits zum Wahlkampfthema geworden. Die Politik versucht gegenzusteuern. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, gibt es auch in Berlin neue Projekte. Senator Michael Müller (SPD) verkündete jüngst den Bau von 38.000 Wohnungen, ein Großteil davon soll auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof entstehen.
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