Von Arne Gottschalck
Hamburg - Die Farben weiß und braun überlagern alles. Weiß die Tische und die Wände, braun die Hängelampen und die geschwungene Bar. Alles schlicht, alles skandinavisch. Wem das Hotel gehört, es dürfte den Gästen, die die Nacht im Scandic Berlin Potsdamer Platz verbringen, egal sein. Sollte es aber nicht.
Denn Hotels sind inzwischen nicht nur für Ruhesuchende und Designfreunde von Interesse, sondern auch für Investoren. So kaufte die Wenaasgruppen A/S aus Norwegen erst im Dezember vergangenen Jahres eben jenes Scandic vom damaligen Eigentümer SNS Property Finance. Eine Transaktion, wie sie 2011 häufig vorkam. "Mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro ist das Jahr 2011 für den deutschen Hotelinvestmentmarkt positiv verlaufen", sagt Olivia Kaussen, die der Hotelsparte bei CBRE Deutschland vorsteht. Das entspricht einem Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Deutschland ist nach wie vor einer der wichtigsten Hotelinvestmentmärkte in Europa." Besonders Einzelinvestoren greifen zu. So wie Wenaasgruppen, die sich 2010 mit dem Radisson Blu in Düsseldorf bereits ein Hotel sicherte.
Findige Investoren
Ausländische Investoren waren 2011 für 61 Prozent des Gesamttransaktionsvolumens verantwortlich, 2010 waren es 66 Prozent, so eine Studie des Maklerhauses Jones Lang Lasalle. Deutsche Investoren stehen Hotelimmobilien nicht ganz so offen gegenüber. Doch in der Summe lasse das Interesse "auf die hohe Attraktivität des deutschen Hotelimmobilienmarkts (...) seitens der aus dem Ausland kommenden Anleger schließen", heißt es in einem Bericht des Immobilienberaters Colliers International.
Die Attraktivität zeigt sich vor allem auch in den Übernachtungszahlen. 2010 war ein Rekordjahr für den Tourismus in Deutschland. 380,3 Millionen Übernachtungen gab es, der höchste Wert seit 1992. Und auch, wenn das Statistische Bundesamt die Zahlen für das Jahr 2011 noch nicht vorgelegt hat; Experten rechnen damit, dass es so weiter geht. So sollen auch die Ausgaben der ausländischen Touristen in Deutschland 2012 nochmals steigen, rechnet die Commerzbank in einer Studie vor. Über 28 Milliarden Euro sollen es der Erhebung zufolge sein. Und das ist gut auch für Deutschlands Hotels.
"Ich erwarte, dass das Interesse an Hotelimmobilien in Deutschland auch 2012 anhalten wird", erklärt daher Fabian Hinrichs von der internationalen Wirtschaftskanzlei DLA Piper, die auch viele Hotelimmobilientransaktionen betreut. "Das Land gilt als sicherer Hafen und ist deshalb gerade für ausländische Investoren interessant." Diese Einschätzung spürt man auch bei Invesco Real Estate. Das Unternehmen hatte zuerst nur einen Fonds aufgelegt, der Hotels in Europa bündelte. Doch die Nachfrage war laut Ascan Kókai so groß, dass ein zweiter folgte. Kókai ist bei Invesco Real Estate für den Bereich Hotel Fund Management zuständig. "Zuletzt hatten wir dafür fünf Hotels der NH-Kette in Deutschland und Österreich gekauft. Denn wir halten den deutschen Markt auch weiterhin für interessant." Interessant, aber auch komplex.
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