Donnerstag, 18. Oktober 2018

Börsenprofi Carsten Mumm erklärt Warum die Goldkrise schon bald überwunden sein könnte

"Nach Golde drängt, Am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!" (Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832)

Carsten Mumm
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    Donner & Reuschel
    Carsten Mumm, Chefvolkswirt und Leiter der Kapital-marktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Was von einem der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung so philosophisch formuliert wurde, spiegelt die Bedeutung des wichtigsten Edelmetalls in einem Satz pragmatisch und gänzlich wider. Das Gold fasziniert die Menschheit schon immer. Seine Reinheit lässt sich dadurch erklären, dass es im Gegensatz zu anderen Metallen nicht korrodiert. Durch seinen warmen Glanz wurde es zum Symbol für Licht, Weisheit sowie Beständigkeit. Und auch zum Statussymbol für Reichtum.

Die Farbe des Goldes sorgte in der Vergangenheit oftmals für eine ganz spezielle Lichtwirkung in dunklen Räumen. Wenn beispielsweise in Kirchen nur Kerzenlicht zur Verfügung stand, konnte die Vergoldung der Figuren und der Malerei das Licht verstärken. Weit unter 5 Prozent (!) der jährlich geförderten Goldmenge wird zu Goldbarren oder Goldmünzen verarbeitet. Als direktes Bezahlmittel wird Gold in der heutigen Zeit auch kaum mehr eingesetzt.

Dafür hat das Barrengold eine große Bedeutung für die internationale Finanzpolitik. Die Notenbanken lagern stets große Mengen an Goldreserven. Diese können im Falle einer Währungskrise in Devisen umgewandelt werden. Im August dieses Jahres verkaufte beispielswiese die türkische Notenbank Teile ihres Goldbestandes, um die Liquidität des Landes auch weiter gewährleisten zu können. Generell erfreut sich Gold als Anlagekapital vor allem in finanziellen Krisenzeiten großer Beliebtheit. Es gilt im Gegensatz zu Währungen als relativ wertstabil. Jedoch ist auch der Goldpreis vor hohen Kursschwankungen nicht gefeit.

Vor allem seit September 2011 gab der Goldpreis in der Spitze bis zu 45 Prozent ab. Und das in einer mehrjährigen Phase schwelender weltweiter Krisenherde. Reaktorkatastrophe in Fukushima, Rechtsruck in der Politik, Ölpreisschock, Brexit, Italienkrise etc. Was macht Gold trotzdem zu dieser wertvollen Anlageklasse? Viele Anleger fürchten um ihre Rendite. Vor allem aber um ihr Erspartes. Und auch wenn der Immobilienmarkt gerade boomt, warnen einige Experten bereits davor, dass diese "Blase" ebenfalls bald platzen könnte.

Entsprechend suchen Privatanleger und institutionelle Investoren nach einer möglichst langfristig werthaltigen Anlage. Die Seltenheit und Endlichkeit schafft Vertrauen. Im Gegensatz zum Papiergeld, das beliebig oft vervielfältigt werden kann und daher an Kaufkraft eingebüßt hat, ist Gold ein nicht fälschbarer, bleibender und seltener Wert. Damit besteht unbestritten Inflationsschutz. Laut einer repräsentativen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach hält die Bevölkerung im Alter unter 30 Jahren Gold für eine "besonders sichere" Geldanlage. Fast jeder zehnte dieser Altersgruppe überlegt, selbst Gold für die Altersvorsorge zu erwerben.

Das ist ein weiterer Grund, warum man davon ausgehen kann, dass sich am Wert des Goldes in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten nichts ändern wird. Aktuell schloss Gold allerdings den sechsten Monat in Folge im negativen Bereich und rutschte wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 1200 US-Dollar pro Feinunze. Damit wird deutlich, dass die Werthaltigkeit mit zum Teil volatilen Preisschwankungen einhergeht. Dies war auch schon vor September 2011 der Fall. Zwischen März und November 2008 gab der Preis um rund 28 Prozent nach. Trotz Banken- und Finanzmarktkrise. Danach erfolgte ein Anstieg um fulminante 165 Prozent.

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Damit wird deutlich: Gold ist keine Garantie für ruhigen Schlaf und eine risikolose Rendite. Allerdings besteht durch seine Endlichkeit eine gewisse Werthaltigkeit. Langfristig ist Gold als Beimischung somit alternativlos. Kurzfristige Gewinnsprünge sollte man damit aber ebenso wenig einplanen wie bei jeder anderen Anlageklasse. Aktuell ist der Test der 1200 USD-Marke der entscheidende Wegweiser für den Rest des Jahres. Bei Erzeugerpreisen der Minen von etwa 1150 US-Dollar könnte der Boden aber langsam gefunden sein. Langfristig sollte daher die unbestrittene Werthaltigkeit im Vordergrund stehen. Somit könnte die aktuelle "Krise der Krisenwährung" schon bald überwunden sein. Frei nach dem Motto "Nach Golde drängt, Am Golde hängt doch alles"….

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