Donnerstag, 20. September 2018

Finanzierung junger Firmen Londoner Börse kommt Minister Gabriel zuvor

Abgehängt: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel träumt noch vom neuen Markt 2.0 - und die Briten schaffen schon Fakten

Wenn es um Wachstumsfinanzierung geht, stehen deutsche Start-ups in der Regel deutlich schlechter da als ihre von Geldgebern gepäppelten US- Konkurrenten. Ein Manko, dem Politik und Deutsche Börse schon länger abhelfen wollen. Doch jetzt kommen ihnen die Briten zuvor.

Hamburg - Dass es für deutsche Start-ups schon immer deutlich schwieriger war als für die Konkurrenz im Silicon Valley, sich Geld für die Wachstumsfinanzierung zu besorgen, ist nichts neues. Seit geraumer Zeit streiten hierzulande Politik und Börsenbetreiber über den richtigen Weg, dies zu ändern.

Während Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf ein neues Börsensegment für Start-up-Firmen , eine Art Neuen Markt 2.0. setzt und dafür eifrig die Werbetrommel rührt, hat die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen andere Pläne: Sie will eine IPO-Pipeline aufbauen, auf der sich potenzielle Investoren schon vor einem möglichen Börsengang über die Unternehmen informieren und Start-ups mit potenziellen Geldgebern ins Gespräch kommen können.

Doch während die Deutsche Börse, wo im Mai der künftige Chef Carsten Kengeter das Ruder übernehmen soll, sich noch mit Politik und Kapitalmarktakteuren abzustimmen versucht, schaffen die Kollegen in Großbritannien bereits Fakten.

Wettlauf um deutsche Start-ups

So kündigte die London Stock Exchange Börsen-Chart zeigen am Mittwoch an, ihr ELITE-Förderprogramm für junge Unternehmer auf ganz Europa auszuweiten. Ein Programm, das verheißungsvolle Start-ups mit Investoren und Beratern zusammenbringt und diese beim Ausbau ihrer Unternehmen unterstützen soll. 2012 in Italien gestartet und 2014 auf Großbritannien ausgeweitet, nehmen daran laut LSE bereits 200 Unternehmen teil.

Pikant am Vorgehen der Briten: Im Fokus stehen explizit auch "führende deutsche Unternehmen", von denen es einzelne wie Wooga, Zalando oder Researchgate bereits - teils mit Unterstützung von US-Venture-Capital-Firmen - an die Spitze geschafft haben.

"Die Unternehmen können sich ab sofort bewerben", sagte ein Sprecher der LSE zu manager magazin online.

Wann die deutsche Antwort konkret kommt, ist indes noch offen. Von der Deutschen Börse hieß es zuletzt, man arbeite "mit Hochdruck" an der geplanten Plattform. Ein Start werde für die erste Jahreshälfte 2015 avisiert.

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