Samstag, 23. Februar 2019

Vanguard-Gründer und Indexfonds-Pionier John Bogle gestorben Der Mann, der die private Geldanlage revolutionierte

Finanzunternehmer und Fondspionier: John Bogle bei einer Veranstaltung im Jahr 2017

"Wenn eine Statue errichtet werden sollte, um die Person zu ehren, die am meisten für die amerikanischen Investoren getan hat, dann fiele die Wahl zweifellos auf Jack Bogle", schrieb Investmentlegende und Multimilliardär Warren Buffett einmal über ihn. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson verglich seine Lebensleistung mit "der Erfindung des Rades, des Weins, des Käses, des Alphabets und Gutenbergs Buchdruck". Und laut "Wall Street Journal" steht er in einer Reihe mit den ganz Großen der US-Wirtschaftsgeschichte: dem Autofabrikanten Henry Ford etwa, oder auch Sam Walton, der einst den Einzelhandelsriesen Walmart gründete.

Die Rede ist von John Bogle, Spitzname "Jack", dem US-Finanzunternehmer, der am Mittwoch dieser Woche im Alter von 89 Jahren in seinem Heimatort Bryn Mawr im US-Staat Pennsylvania einem Krebsleiden erlag.

Bogles Lebensleistung, das war im Kern seine Pioniertat im Fondsgeschäft: Nach dem Abschluss an der US-Eliteuni Princeton und einigen Jahren bei der Investmentfirma Wellington Management gründete Bogle 1974 sein Fondsunternehmen Vanguard, da war er gerade Mitte 30. 1976 brachte er damit den weltweit ersten Indexfonds für Privatanleger auf den Markt. Es war der Beginn des rasanten Aufstiegs von Vanguard in die Topliga des weltweiten Finanzgeschäfts - und der Start einer Revolution in der privaten Geldanlage insgesamt.

Indexfonds, die in ihrer börsengehandelten Variante ETFs (Exchange Traded Funds) genannt werden, haben inzwischen eine Wachstumsstory geschrieben, wie es sie in der Branche kaum ein zweites Mal gibt: Auf nahezu zehn Billionen Dollar beziffert das Investment Company Institute heute ihr Anlagevolumen rund um den Globus, Tendenz: weiter stark steigend.

"Tun Sie nichts, stehen Sie einfach nur da"

Nach wie vor begeistern sich immer neue Sparer für den einfachen Anlageansatz, den Vanguard-Gründer Bogle beinahe sein Leben lang propagierte: Aktiven Fondsmanagern gelingt es nur selten, ihre Benchmark zu schlagen. Dennoch kassieren sie hohe Gebühren, die von den Anlegern zu zahlen sind und letztlich deren Rendite schmälern. Eine Lösung für dieses Problem stellt das passive Investieren dar - und die passende Anlageform dafür ist der Indexfonds.

Dieser benötigt keinen Manager, der sich seine laufenden Kauf- und Verkaufsentscheidungen - ganz gleich wie gut oder schlecht diese sein mögen - teuer bezahlen lässt. Stattdessen wird im Fondsportfolio schlicht ein vorgegebener Index nachgebildet. So erhält der Anleger ziemlich exakt die Performance des anvisierten Marktes - beispielsweise des deutschen Aktienmarktes mittels eines Dax-ETFs - und spart reichlich Geld. Denn die Gebührensätze der Indexfonds liegen deutlich unter jenen der aktiv agierenden Konkurrenz.

"Der Weg zum Reichtum für die Leute im Finanzgeschäft besteht darin, ihre Kunden davon zu überzeugen, dass sie nicht nur zuschauen sollten, sondern aktiv werden", brachte John Bogle seine Philosophie einmal auf den Punkt. "Aber der Weg zum Reichtum für die Kunden besteht in dem genauen Gegenteil: Tun Sie nichts, stehen Sie einfach nur da."

"Es hilft nicht, zu wissen, dass ich mehr habe als jemand anderes"

Mit dieser Maxime gewann Bogle zwar Starinvestor Warren Buffett als seinen wohl prominentesten Fan. Die immer wieder geäußerte Kritik an der Mainstream-Investmentindustrie, die vor allem darauf ausgerichtet sei, den eigenen Profit zu maximieren, brachte ihm im Finanzgeschäft jedoch ansonsten nicht unbedingt viele Freunde ein.

Bogle blieb sich jedoch treu - und lebte sein Credo selbst vor. Das Unternehmen Vanguard etwa strukturierte er so, dass es nicht ihm oder seiner Familie, sondern den Investoren der hauseigenen Fonds gehörte. In einer Welt, in der Finanzunternehmer nicht selten zu Milliardären werden, verzichtete Bogle so auf den ganz großen persönlichen Reichtum.

US-Medien zufolge wurde sein Vermögen auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, was bescheiden anmutet für den Gründer des mit einem verwalteten Vermögen von rund fünf Billionen Dollar heute zweitgrößten privaten Finanzmanagers weltweit (die Nummer eins ist mit dem US-Wettbewerber Blackrock bezeichnenderweise ebenfalls ein Finanzkonzern mit Schwerpunkt im ETF-Geschäft).

"Wozu brauche ich einen Privatjet?", fragte der bereits betagte Bogle in einem Gespräch mit der "Financial Times" noch im November vergangenen Jahres. "Ich brauche meine Frau, um mich herumzufahren. Es hilft meiner Seele kein bisschen, zu wissen, dass ich mehr habe als jemand anderes."

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