Donnerstag, 22. Februar 2018

Uhren als Geldanlage Was bringen Uhren?

Andreas Hentschel: Uhrmacher aus Hamburg von der Uhrenmanufaktur Hentschel
Torsten Milarg / Hentschel Hamburg
Andreas Hentschel: Uhrmacher aus Hamburg von der Uhrenmanufaktur Hentschel

Die Aktienkurse wanken, Anleihen werfen nichts ab, die Immobilie ist zu teuer - so mancher kommt auf die Idee, eine Uhr als Anlage zu nutzen. Nur ein Tick? Ein Gespräch mit dem Uhrmacher Andreas Hentschel.

mm: Herr Hentschel, Hand aufs Herz - können Armbanduhren eine Geldanlage sein?

Hentschel: Grundsätzlich würde ich bei diesem Thema zwischen Uhren aus aktueller Produktion und historischen Uhren unterscheiden. Die aktuellen Uhren werden von Juwelieren oder Uhrenhändlern angeboten. Die Gewinnmarge beträgt im Durchschnitt bis zu 50 Prozent vom Verkaufspreis.

mm: Hart für den Endkunden ...

Hentschel: Ja, als Endverbraucher wird man kaum jemals so günstig einsteigen können wie der Händler es konnte. Eine Wertsteigerung, wenn überhaupt, kann man daher höchstens durch einen Wiederverkauf an einen Nicht-Uhrenhändler realisieren. Das gestaltet sich aber in der Realität sehr schwierig, da es immer wieder zu Problemen und Unsicherheiten bezüglich Garantie und Echtheit gibt. Selbst wenn eine Uhr augenscheinlich gut und präzise läuft, kann sie doch ernste mechanische Probleme haben, die für den Laien nicht zu erkennen sind. Auch Fremdeingriffe ins Uhrwerk und der Austausch von Teilen können nicht sicher ausgeschlossen werden. Das ist also eine äußerst unsichere Situation für den eventuellen Käufer einer Uhr von Privat.

Solche Erfahrungsberichte kursieren überall im Internet. Die Uhrenforen sind voll davon und die privaten Interessenten entsprechend vorsichtig. Das bedeutet eine sehr schwache Ausgangssituation für den Wiederverkäufer einer gebrauchten Uhr. Der einzige Anreiz kann da ein sehr günstiger Preis sein, der weit unter dem Verkaufspreis eines Händlers liegen, sonst gibt es keinen Anreiz.

mm: Gibt es da so etwas wie den Wertverlust, den ein Neuwagen auf den ersten Metern vom Autohof einfährt?

Hentschel: Beim Verkauf einer Uhr beträgt ihr Wert immer nur die Summe, die ein Käufer dafür bereit ist zu zahlen. Selbst eine neue ungetragene Uhr ist genau wie ein Neuwagen bereits nach dem Kauf erheblich viel weniger Wert als der Neupreis. Einzige Ausnahme sind künstlich verknappte Modelle, die genau den Zeitgeist treffen. Beispiel Rolex Submariner mit grüner Lynette. Prozentual würde ich aber schätzen handelt es sich bei diesen Stücken um unter 1 Prozent aller produzierten Armbanduhren der Luxusklasse.

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