Dienstag, 13. November 2018

Seltene Erden Rohstoff-Preisblase kostet Anleger viel Geld

Gewinnung Seltener Erden in einer Schmelzanlage in China: Die Preise der Rohstoffe haben eine Achterbahnfahrt hinter sich

Als vor einigen Jahren die Preise so genannter Seltener Erden explodierten, lockten Banken mit Zertifikate auch Anleger zum Investment. Inzwischen ist der Markt abgestürzt - die Investoren dürften viel Geld verloren haben.

Hamburg - Die Aufregung war groß, als vor etwa fünf Jahren die Preise für Seltene Erden geradezu explodierten. Die Industrie, in der die Spezialrohstoffe für die verschiedensten Anwendungen von der Keramikherstellung über die Medizintechnik bis zum Automobilbau benötigt werden, schlug Alarm. Und die Finanzbranche witterte Geschäft und legte flugs Zertifikate auf, mit denen die Anleger von den Preissteigerungen profitieren sollten.

Inzwischen ist jedoch klar: Bei dem vermeintlichen Boom handelte es sich in Wahrheit wohl nur um einen vorübergehenden Hype. Die Preise Seltener Erden wie Neodym oder Dysprosium notieren zwar nach wie vor weit über dem Niveau von vor dem 2009er/2010er Aufschwung. Gegenüber den Höchstständen, die 2011 erreicht wurden, sind sie aber regelrecht eingebrochen.

Über den massiven Preisrückgang hatte manager magazin online bereits vor eineinhalb Jahren berichtet. Jetzt zeigt sich: Das war keine Delle im Aufschwung - es gab eine Preisblase, und die ist nun geplatzt.

Was das in Zahlen bedeutet, rechnet in dieser Woche beispielhaft der SPIEGEL vor: Ein Kilogramm Neodym, das zur Herstellung von Magneten eingesetzt wird, kostete noch vor drei Jahren rund 500 Dollar, so das Magazin. Heute sei das Metall für etwa 100 Dollar zu bekommen.

Zwei Gründe gibt es für die Entspannung am Markt:

  • Die Unternehmen, die bisher auf Seltene Erden angewiesen waren, haben andere Produktionsverfahren entwickelt und Substitute entdeckt. So konnte die Abhängigkeit von den begehrten Rohstoffen reduziert werden. Laut SPIEGEL ist die globale Nachfrage dadurch seit 2009 um fast ein Drittel geschrumpft.
  • Die Förderung der Seltenen Erden wurde angesichts der Preisexzesse weltweit hochgefahren. Zuvor hatte China praktisch ein Monopol auf dem Weltmarkt für Seltene Erden. 98 Prozent der Förderung kamen aus der Volksrepublik. Die Vormachtstellung hat Peking inzwischen zwar nicht eingebüßt, laut SPIEGEL liegt der Marktanteil noch immer bei 92 Prozent. Allerdings wurden dem Magazin zufolge in der jüngeren Vergangenheit weltweit hunderte neue Vorkommen entdeckt. Konzerne wie der Chemieriese BASF Börsen-Chart zeigen können ihren Bedarf nun auch verstärkt außerhalb Chinas, etwa in Australien decken.

Die Dummen bei der Entwicklung könnten einmal mehr viele Privatanleger sein, die von der Finanzindustrie in ein Investment gelockt wurden, das nur vordergründig reizvoll erschien. Viele der Zertifikate, die in dem Hype von Banken auf den Markt gebracht wurden, sind laut SPIEGEL inzwischen um 90 Prozent im Wert gefallen. Was das für das Vermögen der beteiligten Sparer bedeutet, liegt auf der Hand.

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